Anodische Polarisationsmessung
In einem Elektrolyten finden auf einer metallisch leitenden Oberfläche bei
Vorhandensein eines Stromes bzw. einer Spannung elektrochemische Vorgänge
statt, die Aufschluss über den Zustand der Oberfläche (aktiv oder passiv)
geben können. Bei der anodischen Polarisationsmessung wird ein
Elektrolyttropfen zwischen Bauteiloberfläche und Gegenelektrode gebracht und
eine Stromquelle zwischen Bauteil und Gegenelektrode geschaltet. Der Zeitverlauf
der entstehenden Spannung und des dabei fließenden Stroms wird aufgenommen und
dient als Grundlage zur Beurteilung des Oberflächenzustandes. Es werden zwei
Verfahrensvarianten unterschieden: Die Zwei-Elektrodentechnik und die
Drei-Elektrodentechnik
Zwei-Elektrodentechnik (linkes Bild)
Die Messzelle wird mit einem Elektrolyten (KOH oder KCI) befüllt. An der Spitze der Messzelle
befindet sich ein Elektrolyttropfen, der mit dem als
Arbeitselektrode geschalteten Bauteil in Kontakt gebracht wird. Der Elektrolyt schafft
die Verbindung der Arbeitselektrode mit der Gegenelektrode. Dem System wird nun
ein geringer, anodischer Strom (5 bis 25 µA) durch
einen Präzisionsstromgeber aufgezwungen.
Das Messprinzip funktioniert nun folgendermaßen: Zu Anfang ist kein Strom angelegt und die K+- und OH--Ionen
des Elektrolyten liegen wahllos verteilt vor. Durch Anlegen des Stroms werden
die Arbeitselektrode und die Gegenelektrode polarisiert. Hierbei wird die
Arbeitselektrode zunehmend positiver und die Gegenelektrode zunehmend negativer.
Der
Widerstand der Bauteiloberfläche und die Spannung sind in der ersten Phase der
Polarisierung klein. Jedoch bei zunehmender Polarisierung nehmen Widerstand und
Spannung zu, bis ein konstanter Wert der Spannung zur Aufrechterhaltung des
angelegten Stroms erreicht wird. Um den Strom konstant zu halten, muss also die
Spannung reguliert werden. Je länger die Polarisierung dauert, desto leitfähiger ist
die geprüfte Oberfläche. Mittels eines Multimeters mit einem XY-Schreiber
beziehungsweise einem PC können die entstehenden Spannungs-Zeit-Verläufe
aufgezeichnet werden. Wird der Widerstand zur Polarisation der Elektroden
größer, lässt dies darauf schließen, dass die
Bauteiloberfläche mit Verunreinigungen bedeckt ist.
Drei-Elektrodentechnik (rechtes Bild)
Bei der Drei-Elektrodentechnik enthält die Messzelle zwei Elektroden, eine
Referenzelektrode (in der Regel eine gesättigte Kalomelelektrode) und eine
Gegenelektrode (Platindraht). Das zu prüfende Bauteil wird als Arbeitselektrode
geschaltet. Bei der Drei-Elektrodentechnik wird eine konstante Spannung
aufgebracht um die Potentialdifferenz zu messen. Das Ergebnis sind
Strom-Spannungs-Kurven oder auch Stromdichte-Potential-Kurven, mit deren Hilfe
auf den Passivierungs-Zustand der geprüften Oberfläche geschlossen werden
kann.