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Reinigen mit flüssigem Kohlendioxid

Bei diesem Reinigungsverfahren wird unter hohem Druck (ca. 150 bar) stehendes Kohlendioxid in seiner flüssigen Phase als Lösungsmittel verwendet. Komprimiertes Kohlendioxid weist ein relativ hohes Lösevermögen für organische Stoffe, wie Öle oder Fette, auf. Nach der Reinigung wird das flüssige Kohlendioxid aus der Reinigungskammer gepumpt und der Kammerdruck auf Umgebungsdruck gesenkt.

Bei diesem Reinigungsverfahren wird unter hohem Druck (ca. 150 bar) stehendes Kohlendioxid in seiner flüssigen Phase als Lösungsmittel verwendet. Komprimiertes Kohlendioxid weist ein relativ hohes Lösevermögen für organische Stoffe, wie Öle oder Fette, auf. Nach der Reinigung wird das flüssige Kohlendioxid aus der Reinigungskammer gepumpt und der Kammerdruck auf Umgebungsdruck gesenkt. Dabei verdampft noch anhaftendes Kohlendioxid und die Bauteile können trocken und fettfrei aus der Kammer entnommen werden.


Die Verwendung von Kohlendioxid ist ungefährlich. Es ist nicht giftig und bildet mit Luft keine explosiven Gemische. Auch für die Umwelt ist Kohlendioxid ein unbedenkliches Reinigungsmittel, da es nicht zusätzlich produziert wird, sondern als Abfallprodukt bei anderen Prozessen entsteht und so sinnvoll weiterverwendet wird.


Physikalischer Hintergrund


Das Kohlendioxid wird während der Reinigung im flüssigen Zustand benötigt. Dieser wird bei Raumtemperatur bei einem Druck von ca. 65 bar erreicht. Bei geringerer Temperatur wird die flüssige Phase bei entsprechend niedrigerem Druck erreicht (siehe Phasendiagramm). Das Lösevermögen flüssigen Kohlendioxids für Öle und Fette ist von dem Kammerdruck abhängig. Liegt der Kammerdruck gerade über dem zur Verflüssigung erforderlichen Druck von ca. 65 bar bei Raumtemperatur, so liegt das Lösevermögen des Kohlendioxids um ca. 4 Zehnerpotenzen unter dem der FCKW. Erst bei sehr hohen Drücken von über 500 bar wird das Lösevermögen der FCKW erreicht. Bei der Auslegung der Anlage ist also abzuwägen, ob der erhöhte Anlagenaufwand einer Hochdruckanlage den höheren Kohlendioxidverbrauch einer Niederdruckanlage wettmacht. Einen guten Kompromiss bietet ein Anlagendruck von ca. 150 bar.






















Phasendiagramm für Kohlendioxid



Die zu reinigenden Bauteile werden zusammen mit flüssigem CO2 und evtl. mit Zusatzstoffen zur Verbesserung der Reinigungswirkung, wie Enzymen, Detergenzien, Emulgatoren oder Tensiden, in die Reinigungskammer gegeben. Die Verschmutzungen werden vom flüssigen CO2 bei Raumtemperatur oder leicht erhöhter Temperatur gelöst. Die Reinigungszeit beträgt dabei meist zwischen 10 und 30 min. Zur besseren Durchmischung in der Reinigungskammer können zusätzlich Waschtrommeln oder eine Ultraschallunterstützung vorgesehen werden.


Das Gemisch aus flüssigem CO2, Zusatzstoffen und den gelösten Verschmutzungen wird nach der Reinigung aus der Reinigungskammer gepumpt und in einen Abscheider geführt. Unter vermindertem Druck wird das flüssige CO2 aus dem Gemisch gasförmig und fließt zur weiteren Verwendung in den Vorratstank zurück. Die Verschmutzungen werden im Abscheider von den Zusatzstoffen getrennt und entnommen. Die Zusatzstoffe werden ebenfalls zur Weiterverwendung in einen Vorratstank geleitet.


In der Reinigungskammer bleiben so nur die gereinigten Bauteile zurück. Bei der Absenkung des Kammerdruckes auf den Umgebungsdruck kühlen die Bauteile durch die Verdunstung des noch anhaftenden Kohlendioxids stark ab. Daher ist es oftmals sinnvoll, die Bauteile vor der Entnahme wieder auf Raumtemperatur aufzuheizen, damit es zu keiner Kondensation von Luftfeuchtigkeit kommt.


















Anlage mit geschlossenem Kohlendioxid-Kreislauf


Bei Anlagen mit hohem Kohlendioxidverbrauch kann das verunreinigte CO2 zur Energierückgewinnung über eine Turbine entspannt werden. Eine weitere Möglichkeit der Energieeinsparung ist eine Aufbereitungsstufe für flüssiges Kohlendioxid, durch die eine Erhöhung der Standzeit erreicht werden kann.


Haupteinsatzgebiete


Die zu reinigenden Teile müssen dem Druck in der Reinigungskammer standhalten und Verträglichkeit gegenüber Kohlendioxid und den möglicherweise verwendeten Zusatzstoffen zeigen.


Gereinigt werden können Oberflächen aus den unterschiedlichsten Materialien, wie z. B. Glas, Keramik, Metall, Stoff und sogar Papier. Problematisch ist die Reinigung von Kunststoffen, insbesondere von Elastomeren. Elastomere nehmen in der unter Hochdruck stehenden Reinigungskammer CO2 auf, welches beim Absenken des Drucks nach der Reinigung zur Blasenbildung im Werkstoff führt.


Problemlos entfernt werden können organische Stoffe, wie Fette und Öle, Kohlenwasserstoffe oder Plastifiziermittel. Ohne Zusatzstoffe sind Salze, anorganische Verschmutzungen, Rost, Lacke, Graphit und kleine Partikel schwierig oder gar nicht zu entfernen. Durch die Zugabe von Enzymen, Detergenzien, Emulgatoren und Tensiden und eine mechanische Unterstützung der Reinigung, z. B. durch Trommeln, können jedoch auch derartige Verschmutzungen entfernt werden.


Konkretes Einsatzbeispiel:


In einem Anwendungsfall wurden Messing-Hydraulikfilter von Helikoptern gereinigt. Früher wurden die Teile 24 Stunden lang in eine Hydrokarbonlösung eingeweicht, von Hand abgebürstet,wieder 24 Stunden eingeweicht und nochmals abgebürstet. Nach der Verfahrensumstellung werden die Teile 10 Minuten in einem Gemisch aus Hydrokarbonlösung und Öl/Tenside eingeweicht, von Hand abgebürstet und schließlich für 20 Minuten mit flüssigem Kohlendioxid gereinigt. Auf diese Weise konnte eine erhebliche Verkürzung der Reinigungszeiten bei gleichbleibender Reinigungsqualität erzielt werden.


Umwelt- und Arbeitsschutz


Der MAK-Wert für Kohlendioxid liegt bei 5000ppm, da sonst Erstickungsgefahr besteht. Deshalb sollte sich, insbesondere bei nicht geschlossenem CO2-Kreislauf, am Arbeitsplatz ein Messgerät befinden, das die Kohlendioxid-Konzentration misst. Außerdem sollte beachtet werden, dass Kohlendioxid schwerer ist als Luft und sich deshalb in Mulden oder Bodensenken sammelt. Sonst ist die Verwendung von Kohlendioxid ungefährlich. Es ist nicht giftig und bildet mit Luft keine explosiven Gemische.


Auch für die Umwelt ist Kohlendioxid ein unbedenkliches Reinigungsmittel, da das verwendete Kohlendioxid nicht zusätzlich produziert wird, sondern als Abfallprodukt anderer Prozesse entsteht und so sinnvoll weiterverwendet wird.


Da es sich bei den Anlagen zur Reinigung mit flüssigem Kohlendioxid um Hochdruckanlagen handelt, ist auf entsprechende Sicherheitsaspekte zu achten.


Zur Energierückgewinnung kann verunreinigtes CO2 beim Verlassen der Anlage über eine Turbine entspannt werden. Eine weitere Möglichkeit der Energieeinsparung ist eine Aufbereitungsstufe für das flüssige Kohlendioxids, durch die eine Erhöhung der Standzeit erreicht werden kann.


Anlagen und Kosten


Die Anschaffungskosten der Anlagen zur Reinigung mit flüssigem Kohlendioxid sind relativ hoch. So kostete eine Anlage 1998 noch 100.000 $ und mehr. Dagegen sind die Betriebskosten sehr gering. Es fallen keine Abwasserkosten oder Entsorgungskosten für Lösemittel an. Flüssiges CO2 ist im Vergleich zu Lösemitteln sehr preiswert und auch die Energiekosten sind bei diesem Verfahren relativ gering.


Da es sich um ein Feinreinigungsverfahren handelt, ist es aus Kostengründen am besten geeignet, um dünne Verschmutzungsschichten zu entfernen. Bei gröberen Verschmutzungen sollte ein geeigneter Schritt zur Vorreinigung eingeplant werden.


Es empfiehlt sich außerdem, eine Anlage vorzusehen, in der sowohl mit flüssigem Kohlendioxid als auch mit überkritischem Kohlendioxid gereinigt werden kann, da das Lösungsvermögen von flüssigem Kohlendioxid im Vergleich zu überkritischem Kohlendioxid größer ist, wohingegen feine Poren und Risse wegen der geringeren Oberflächenspannung besser von überkritischem Kohlendioxid gereinigt werden können.












Anlagenbeispiel


Referenzen


Homepage der "United States Environmental Protection Agency"
www.epa.gov


Online-Magazin "Precision Cleaning Web"
Ausgabe 07.1999, 02.1998, 03.2000
www.precisioncleaningweb.com


US-Amerikanische Wissensbasis "Sage: Solvent Alternatives Guide"
http://sage.rti.org

Name des Autors: team