Pflanzenöle, wie Sojaöl, Rapsöl oder Kokosöl, und ihre Fettsäureester können bei
industriellen Reinigungsprozessen
als Ersatz für Kohlenwasserstoffreiniger verwendet werden. Da reine Pflanzenöle im Allgemeinen eine zu hohe Viskosität
besitzen und nicht stabil genug gegenüber Oxidation sind, werden ihre Fettsäuren verestert. Derartige
Fettsäureester sind für eine Reihe von Reinigungstechniken, wie Tauch-, Sprüh-, und
Wischreinigung, geeignet, können jedoch nicht ohne Weiteres für die Dampfentfettung verwendet
werden, da ihre Siedetemperaturen zu hoch liegen. Einsatzbedingungen und
Zusammensetzung der Esterprodukte müssen für eine optimale Reinigung der Art der
Verschmutzung und dem erforderlichen Reinheitsgrad angepasst werden. Es können z. B.
Emulgatoren zugegeben werden, damit der Reiniger leicht mit Wasser entfernt werden kann.
Der Einsatz von pflanzenölbasierten Reinigern bietet eine Reihe
von technischen und wirtschaftlichen Vorteilen:
-Pflanzenölbasierte Reiniger sind gut emulgierbar
-Sie besitzen eine nur geringe Flüchtigkeit
-Es werden keine Absaugvorrichtungen und Kapselungen benötigt
-Die von ihnen ausgehende Gesundheitsgefährdung ist gering
-VbF- und Ex-Schutzmaßnahmen entfallen, da der Flammpunkt > 100 °C ist
-Der verbleibende Restfilm bietet einen temporären Korrosionsschutz
-Es werden zum Teil erheblich höhere Badstandzeiten erreicht
-Die Umweltverschmutzung wird reduziertAusgangsprodukt sind nachwachsende Rohstoffe
Die Nachteile dieser noch relativ neuen Reiniger liegen zum einen in dem im
Vergleich zu herkömmlichen Lösemitteln hohen Preis und zum anderen in den noch geringen
Praxiserfahrungen. Vor dem Einsatz von Fettsäureestern müssen zumeist Versuche durchgeführt werden, um die Eignung für den
jeweiligen Einsatzfall
zu garantieren.
Eigenschaften
Die physikalisch-chemischen
Eigenschaften der Pflanzenöle hängen wesentlich von ihrer chemischen Struktur
ab. Im Allgemeinen besitzen sie eine hohe Viskosität und sind nicht in
ausreichender Weise stabil gegenüber Oxidation. Zur Verbesserung der chemischen und
physikalischen Eigenschaften werden Fettsäureester
synthetisiert, indem die aus Pflanzenölen gewonnenen Fettsäuren
verestert
werden. Die so erzeugten Fettsäureester bestehen aus einer langen Kohlenwasserstoffkette mit gewöhnlich
10 bis 20 Kohlenstoffatomen und einer Estergruppe. Die Kohlenwasserstoffkette
kann sowohl gesättigt, als auch ungesättigt, verzweigt oder unverzweigt
auftreten.
Die
hohen Siedetemperaturen (zwischen ca. 200 °C und 350 °C) und die
geringe Flüchtigkeit bei Raumtemperatur machen Fettsäureester
zu einer interessanten Alternative zu den herkömmlichen Lösemitteln.
Ein mit der geringen Flüchtigkeit einhergehender Nachteil ist, dass
nach der Reinigung ein dünner öliger Film als Rückstand auf der
Metalloberfläche zurückbleibt. Dieser Film kann durch Abwischen oder in
einigen Fällen durch thermische Behandlung entfernt werden. Eine
Nachreinigung
durch wässrige Systeme ist oftmals ebenfalls möglich. In vielen Fällen
ist der
verbleibende Film jedoch als Korrosionsschutz erwünscht und verbleibt
auf den
Teilen.
Die
Viskosität ist ein Maß für das Fließverhalten einer Flüssigkeit: Je höher
die Viskosität ist, desto weniger beweglich ist die Flüssigkeit. Reinigungsmittel
mit einer niedrigen Viskosität können leichter auf ein zu reinigendes Objekt
aufgetragen werden und in Spalten und Hohlräume eindringen. Die Viskosität von Pflanzenölestern
ist schon bei Raumtemperatur mit ca. 10 mPa*s relativ niedrig und nimmt mit
steigender Temperatur weiter ab. Eine Zunahme der Kettenlänge oder größere
Estergruppen führen zu einer Zunahme der Viskosität. Insgesamt sind die
Viskositäten sämtlicher Fettsäureester ähnlich niedrig, wie die der
herkömmlichen Kohlenwasserstoffreiniger.
Eine weitere
Voraussetzung für ein wirksames Reinigungsmittel ist ein gutes
Benetzungsvermögen. Je niedriger die
Oberflächenspannung ist, desto
weniger Energie wird benötigt, um die Oberfläche z. B. eines Flüssigkeitstropfens
zu vergrößern. Das bedeutet, dass die Flüssigkeit die zu reinigende Oberfläche
leichter benetzen kann. Bei 20 °C haben reine Fettsäureester eine
Oberflächenspannung im Bereich von 27,9 bis 30,8 dyn/cm und liegen damit im
Bereich herkömmlicher Kohlenwasserstoffreiniger (20 - 40 dyn/cm). Bei
ansteigender Temperatur zeigen sie eine lineare Reduzierung der
Oberflächenspannung. Je länger die Kohlenwasserstoffkette in dem
Pflanzenölester ist, desto höher ist die Oberflächenspannung.
Reiniger auf der Basis von Fettsäureestern sind gewöhnlich teurer als
organische Lösemittel. In der Praxis kann dieser Nachteil durch
eine Reihe von positiven Faktoren wettgemacht werden:
-Vermeidung von Lösemittelemissionen am Arbeitsplatz
-Reduzierung der Umweltverschmutzung
-Geringere Kosten für technische Anlagen zur
Emissionsverminderung und Emissionsmessung
-Geringere Kosten für Schutzkleidung und medizinische
Betreuung der Beschäftigten
-In der Regel sind keine Maßnahmen zum Explosionsschutz erforderlich
-Aufwendungen für Feuerschutzmaßnahmen und
Lagerhaltungskosten können verringert werden
-Geringerer Reinigerverbrauch aufgrund geringerer Verluste durch
Verdunstung
-Höhere Standzeit der Reinigungsbäder aufgrund hoher
Schmutzaufnahmefähigkeit und geringer Verdunstung
Einsatzgebiete
Esterprodukte lösen wirksam organische Verschmutzungen, wie Schmiermittel,
Schutzbeschichtungen und Kühlschmierstoffe. Sie haben hingegen, wie
herkömmliche Lösemittel
auch, nur eine begrenzte Wirkung auf Oxidschichten oder eingebrannten Schmutz.
Fettsäureester auf Pflanzenölbasis wirken normalerweise nicht korrodierend auf
Metalle. Rostfreier Stahl und Aluminium sind am widerstandsfähigsten,
wohingegen verzinkte und zinkhaltige Metalle von den im Reiniger enthaltenen
freien Fettsäuren angegriffen werden. Reinigungslösungen auf Pflanzenölbasis
können Gummi quellen lassen und den Weichmacher aus verschiedenen Kunststoffen
lösen. Diese Wirkung ist im Allgemeinen vergleichbar mit der herkömmlicher organischer
Lösemittel. Materialien aus Teflon, Viton und Polypropylen werden in der Regel durch
Fettsäureester nicht angegriffen.
Fettsäureester sind für eine Reihe von Reinigungstechniken, wie Tauch-, Sprüh-, und
Wischreinigung, geeignet. Sie können jedoch nicht ohne Weiteres für die Dampfentfettung verwendet
werden, da ihre Siedetemperaturen zu hoch liegen. Einsatzbedingungen und
Zusammensetzung der Esterprodukte müssen für eine optimale Reinigung der Art der
Verschmutzung und dem erforderlichen Reinheitsgrad angepasst werden. Es können z. B.
Emulgatoren zugegeben werden, damit der Reiniger leicht mit Wasser entfernt werden kann.
Nach der Oberflächenreinigung bleibt ein
dünner Film des Esterprodukts auf der Oberfläche zurück, was bei der Lagerung
von Metallen von Vorteil sein kann, da dieser Film vor Korrosion und Flugrost
schützt. Wenn jedoch das gereinigte Metall nachfolgend
beschichtet werden soll, muss ein zusätzlicher Reinigungsschritt erfolgen, um
den dünnen Schutzfilm zu entfernen. Dies kann durch Wischen mit
einem organischen Lösemittel, Verdunstung oder Nachreinigung mit einem
wässrigen Reiniger erfolgen.
Die Reinigungswirkung der Esterprodukte wurde in folgenden Einsatzfällen
erfolgreich getestet:
Reinigung demontierter Maschinen- und Anlagenteile: Das Produkt wird entweder mit einer Fußpumpe durch einen Schlauch zu einem
Pinsel geführt, mit dem die Teile manuell gereinigt werden oder die Werkzeuge
und Maschinenteile werden in ein Ultraschallbad getaucht, das den Reiniger
enthält. Das Bad wird dabei auf eine Temperatur von 75 °C erhitzt. Der Ersatz
der herkömmlichen KW-Reiniger durch
einen pflanzenölbasierten Reiniger hat bei einigen Vorgängen zu einem erhöhten
mechanischen Aufwand geführt. Dagegen ging die Anzahl der Beschwerden der
Beschäftigten über Hautreizungen stark zurück.
Entfernen von Ziehfetten von Aluminiumteilen: Das
Beispielunternehmen verwendete Perchlorethylen,
welches ersetzt werden musste,
um die gesetzlichen Vorschriften und ökologischen Anforderungen zu
erfüllen.
Die Reinigung mit Perchlorethylen wurde in zwei Schritten durchgeführt:
Tauchen mit anschließender Dampfentfettung. Die Reinigung mit
Esterprodukten
wird nun folgendermaßen realisiert: Der ursprüngliche
Perchlorethylen-Tauchbehälter enthält eine esterbasierte
Reinigungslösung bei einer Temperatur
von 60 °C. Der Behälter für die Dampfphase wird als Wanne für
die Nachtauchlösung zur Entfernung der Reinigerrückstände eingesetzt.
Hierfür
wird ein Reiniger verwendet, der ebenfalls auf Fettsäureestern basiert,
jedoch eine höhere Flüchtigkeit besitzt. Der gesamte Tauchvorgang
dauert 10
Minuten. Als letzter Schritt wird der höher flüchtige Reiniger in einem
Umluftkondensationstrockner abgedunstet. Der Hauptvorteil der
Umstellung war
eine Reduzierung des Reinigerverbrauchs um das 6 bis 8-fache.
Reinigung der Außenflächen von Bussen: Ein auf Rapsöl basierender
Reiniger wird auf die Außenfläche aufgesprüht und muss einige Stunden einwirken
(für die Reinigung des Businneren beträgt die empfohlene Einwirkungsdauer
10 Minuten). Nach dieser Zeit fährt der Bus durch eine automatische
Waschanlage. Da der Reiniger einen Emulgator enthält, können
Reinigungsmittel und gelöster Schmutz problemlos abgewaschen werden.
Der Ersatz des ursprünglichen Reinigungsmittels durch den Rapsreiniger hat zu
einer deutlichen Verringerung des mechanischen Aufwands bei der Vorreinigung geführt.
Umwelt- & Arbeitsschutz
Pflanzenölester weisen bezüglich des Umwelt- und Arbeitsschutzes
folgende Vorteile gegenüber herkömmlichen Kohlenwasserstoffreinigern auf:
-keine Brand- und Explosionsgefahr
aufgrund des hohen Flammpunktes*
-geringe Verdunstungsraten entlasten die Raumluft
-die geringe Toxizität macht die Überwachung von Arbeitsplatzgrenzwerten entbehrlich
-Berufskrankheiten sind bei bestimmungsgemäßem Gebrauch nicht zu erwarten
-eine gute biologische Abbaubarkeit schützt die Umwelt
-es besteht keine
Kennzeichnungspflicht nach Gefahrstoff-Verordnung
-die pflanzlichen Produkte sind in
Wasser und Boden besser biologisch abbaubar
-als Basis stehen nachwachsende
Rohstoffe zur Verfügung
* Da bei ungünstigen Konstellationen (feiner Sprühnebel in hoher
Konzentration)
explosionsfähige Gemische entstehen können, sind vorab die
Vorraussetzungen für ein Versprühen zu klären. Bei anderen Anwendungen
(manuelle Reinigung, Tauchbecken, etc.) kann in aller Regel auf
Absaugmaßnahmen verzichtet werden.
Im Vergleich zu Kohlenwasserstoffprodukten werden die Esterölreiniger in
der Regel als wesentlich hautverträglicher eingestuft. Da Fettsäureester die Haut auf
Dauer entfetten, ist dennoch Hautschutz erforderlich. Da Fettsäureester bei Raumtemperatur nicht
flüchtig sind und eine ölige Konsistenz aufweisen, sollte auf dem Fußboden
verspritzte Reinigungslösung zur Vermeidung der Rutschgefahr umgehend
weggewischt werden.
Allgemeine Richtlinien für den Umgang mit organischen Reinigern enthält die
Verordnung zur Umsetzung der Richtlinie 1999/13/EG über die Begrenzung von
Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen (Zusammenfassung).
Richtlinien für die zulässigen Immissionen in die Umwelt können dem
Bundes-Immissionsschutzgesetz
(BImSchG)
entnommen werden.
Aufbereitung und Entsorgung
Für die Aufbereitung von Fettsäureestern werden zwei verschiedene Verfahren
angewendet: Die Vakuumdestillation und die Ultrafiltration.
Die
Vakuumdestillation ist bei Reinigern mit hohem Siedepunkt, wie
den Fettsäureestern, nur schwer zu realisieren. Die Destillation verbraucht
sehr viel Energie und ungesättigte
Fettsäuren sind bei den zur Verdampfung erforderlichen Temperaturen
oftmals nicht stabil genug. Bei gesättigten
Fettsäuren kann die Vakuumdestillation jedoch eingesetzt werden. Die erforderliche Energiemenge und die
damit verbundenen hohen Kosten stellen dennoch ein Hindernis für den Einsatz
der Vakuumdestillation dar. Darüber hinaus kann es bei der Destillation Probleme geben, wenn der Reiniger
(Fettsäureester) und die Verunreinigung (z. B. Mineralöl) ähnliche
Siedepunkte besitzen.
Für die
Ultrafiltration werden Membranen mit einer
Porengröße zwischen 0,1 µm und 0,001 µm verwendet. Die Porengröße hängt
von der gewünschten Trennwirkung ab. Zusammen mit der Querstrom-Filtration
haben sich diese Systeme beim Recycling von Reinigern mit hohem Siedepunkt bewährt. Die Querstrom-Filtration ist ein
dynamischer Prozess, bei dem ein Strahl parallel zur Oberfläche
des Filters fließt, wodurch der Aufbau eines Filterkuchens verhindert wird.
Nach dem Recyclingprozess muss der hochkonzentrierte Schmutz entsorgt werden.
Der Vollständigkeit halber sollte der recycelte Reiniger auf mögliche
Veränderungen der chemischen Struktur untersucht werden. Die Ultrafiltration ist
im allgemeinen sehr effektiv bei der Trennung von Mischungen, die
unterschiedlich große Moleküle enthalten, wie Öl, Wasser oder Metallpartikel.
Bei der Beurteilung der Wirksamkeit der Filtration sollte
immer sowohl der Reiniger (inklusive Zusätze) als auch die Verunreinigung
berücksichtigt werden. Besonders in der metallverarbeitenden Industrie treten verschiedene
Arten von Verunreinigungen auf und jedes Recyclingsystem muss
den spezifischen Bedürfnissen des Unternehmens angepasst werden.
Allgemeine Richtlinien für den Umgang mit organischen Reinigern enthält die
Verordnung zur Umsetzung der Richtlinie 1999/13/EG über die Begrenzung von
Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen (Zusammenfassung).
Richtlinien für die zulässigen Immissionen in die Umwelt können dem
Bundes-Immissionsschutzgesetz
(BImSchG)
entnommen werden.
Referenzen
Online-Magazin "JOT - Journal für
Oberflächentechnik"
http://www.jot-oberflaeche.de/
-Ausgabe
11/98: Reinigen mit nicht-VOC-relevanten Lösemitteln
Online-Veröffentlichungen der Universität
Hamburg und der IGM
http://www.rrz.uni-hamburg.de/kooperationsstelle-hh/
Bulletin Universität Hamburg
http://www.loesemittelersatz.de/download/metallreinigung.pdf
http://www.loesemittelersatz.de/23.html