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Sauerstoffhaltige KohlenwasserstoffeDie meisten der zu Reinigungszwecken eingesetzten organischen Lösemittel können, entsprechend ihrer Reinigungseigenschaften und Einsatzgebiete, in Kohlenwasserstoffe, sauerstoffhaltige Kohlenwasserstoffe und Chlorkohlenwasserstoffe unterteilt werden.
Die meisten der zu Reinigungszwecken eingesetzten organischen Lösemittel können,
entsprechend
ihrer Reinigungseigenschaften und Einsatzgebiete, in Kohlenwasserstoffe,
sauerstoffhaltige Kohlenwasserstoffe und Chlorkohlenwasserstoffe
unterteilt werden.
|
| Lösemittel |
Polarität |
Flammpunkt (°C) | Verdunstungszahl |
Siedepunkt (°C) |
Viskosität 20 °C (cP) |
Dichte 20 °C |
| Aceton |
5,1 |
< - 20 | 2,1 |
56,2 |
0,32 |
0,790 |
| Benzol |
2,7 |
- 11 | 3 |
80,1 |
0,65 |
0,879 |
| Dichlormethan |
3,1 |
- | 1,8 |
39,7 |
0,43 |
1,324 |
| Diethylether |
2,8 |
- 40 | 1,0 |
34,5 |
0,23 |
0,713 |
| 1,4-Dioxan |
4,8 |
12 | 7,3 |
101,1 |
1,54 |
1,034 |
| Ethanol |
4,3 |
12 | 8,3 |
78 |
1,20 |
0,789 |
| Ethylacetat |
4,4 |
- 4 | 2,9 |
77,1 |
0,45 |
0,900 |
| Toluol |
2,4 |
6 | 6,1 | 110,6 |
0,59 |
0,59 |
| Wasser |
10,2 |
|
|
100 |
1,00 |
1,00 |
Einsatzgebiete
In der industriellen Bauteilreinigung spielen die sauerstoffhaltigen
Kohlenwasserstoffe mengenmäßig eine
eher untergeordnete Rolle. Sie kommen dort
zum Einsatz, wo Verschmutzungen aufgrund ihrer Polarität gegen die üblicheren,
unpolaren Kohlenwasserstoffe beständig sind. Mit sauerstoffhaltigen
Kohlenwasserstoffen können z. B. Polymerisate wie Kleb- und Dichtstoffe, Harze, Farben usw.
gelöst werden. Derartige Verschmutzungen sind in der industriellen Praxis
häufiger von Produktionsmitteln, als von Produkten
abzureinigen. Die Reinigung erfolgt meist als sogenannte Kaltreinigung von Hand und ohne Erwärmung
des Reinigers, da die meisten Formulierungen einen sehr geringen
Flammpunkt besitzen und den VbF-Klassen AI oder AII angehören. Aus ihrer Leichtflüchtigkeit
ergeben sich hohe Emissionen in die Umgebungsluft.
In
Elektronik, Optik und Feinmechanik wurden die früher gebräuchlichen FCKW häufig durch
sauerstoffhaltige Kohlenwasserstoffe
ersetzt, die hohe Oberflächenreinheit garantieren und schnell trocknen (beispielsweise Isopropanol oder
Aceton). Da diese leicht entflammbar sind, sind explosionsgeschützte
Anlagen erforderlich, die aus Sicherheitsgründen der
Dauerabsaugung unterliegen. Dadurch steigen die ohnehin hohen Emissionen oft auf über
zwei Drittel des Reiniger-Einsatzes. Diese Emissionsrate gilt auch für die in der
Feinoptik weit verbreitete manuelle Alkohol-Reinigung. Die Emissionen konnten in
jüngster Zeit durch den Einsatz von höher flüchtigen Lösemittel, wie Glykolether oder N-Methyl-Pyrrolidon
(NMP), zumindest etwas gesenkt werden.
In Einsatzfällen, wo überwiegend anorganische
Verschmutzungen abgereinigt und Teile entspant werden müssen, sind wässrige
Reiniger zumeist deutlich effektiver als sauerstoffhaltige Kohlenwasserstoffe und sollten daher
vorgezogen werden.
Arbeitsschutz
Organische Lösungsmittel sind in der Regel leicht flüchtig und verdampfen auch bei niedrigen Temperaturen rasch. Unter ungünstigen Ventilationsbedingungen können daraus höhere Konzentrationen in der Atemluft resultieren. Über die Atemluft gelangen Lösemittel in die Lunge, wo sie mit dem Blut in die einzelnen Organe und ins Gewebe transportiert werden und ihre Giftwirkung entfalten. Direkter Hautkontakt kann gegebenenfalls die Lösungsmittelaufnahme steigern. Die Toxizität nichthalogenierter organischer Lösemittel ist jedoch meist wesentlich geringer als die der CKW.
Die Wirkungsschwellen für Lösemittel sind sehr unterschiedlich. Neben
einer
narkoseähnlichen Wirkung treten je nach Substanz Schleimhautreizungen,
Schwindelgefühl, Müdigkeit, Benommenheit und bei höherer Dosis auch
Übelkeit
und Kopfschmerzen auf. Bei einer Langzeitbelastung können neben
psychoorganischen Störungen Leber- und Nierenschädigungen hinzukommen.
Erhöhte Lösemittelkonzentrationen in der Raumluft sind oftmals durch
den
charakteristischen Geruch zu erkennen. Grundsätzlich sind Lösemittel in
ihren
gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen schwer zu beurteilen,
weil sie in
unterschiedlichen Kombinationen vorkommen und hierfür keine Richt- oder
Grenzwerte vorliegen. Alle
sicherheitsrelevanten Kenndaten können den von den
Lösemittelherstellern
bereitgestellten Sicherheitsdatenblättern entnommen werden. Allgemeine
Richtlinien für den Umgang mit organischen Reinigern enthält die
Verordnung zur Umsetzung der Richtlinie 1999/13/EG über die Begrenzung
von Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen (Zusammenfassung).
Richtlinien für die zulässigen Immissionen in die Umwelt können dem
Bundes-Immissionsschutzgesetz
(BImSchG)
entnommen werden.
Beim Umgang mit Lösemitteln sind folgende Schutzmaßnahmen zu beachten: Dicht verschlossen, kühl, an gut belüftetem
Ort lagern. Arbeiten unter Abzug
vornehmen. Schutzbrille mit Seitenschutz und oberer Augenraumabdeckung tragen.
Erste-Hilfe-Maßnahmen:
Hautkontakt: mit viel Wasser abwaschen
Augenkontakt: mehrere Minuten bei gespreizten Lidern unter fließendem Wasser mit Augendusche
ausspülen. Augenarzt konsultieren!
Einatmen: Frischluft. Ggf. Atemspende oder Gerätebeatmung
Verschlucken: Viel Wasser trinken lassen. Erbrechen vermeiden. Einen Arzt konsultieren.
Anlagen
Bei brennbaren Lösemitteln muss die Anlagentechnik darauf ausgerichtet sein, Brände und Explosionen auszuschließen. Explosionsschutzmaßnahmen müssen nicht ergriffen werden, wenn das Lösemittel bei Temperaturen von maximal 15 °C unter seinem Flammpunkt verwendet wird oder eine Explosionsgefährdung dadurch unterdrückt wird, dass die Anwendung bei entsprechendem Unterdruck erfolgt. Explosionen der Lösemittel/Luft-Gemische führen zu einer bis zu achtfachen Druckerhöhung. Dies bedeutet, dass eine Explosion, die in einer geschlossenen Kammer bei einem Druck < 125 mbar stattfindet, keine Überdruck gegenüber dem Umgebungsdruck von 1 bar erzeugt und somit relativ ungefährlich ist.
Aus der Sicht des Umweltschutzes erweist sich die KW-Oberflächenreinigung
bei erhöhten Lösemittelverlusten als problematisch. Das betrifft in erster
Linie Großanlagen mit Heißlufttrocknung zur seriellen Reinigung. Bei
derartigen Anlagen sind Maßnahmen zur Emissionsminderung, wie z. B. eine
Kondensationsabscheidung, erforderlich. Lösemittelverluste können durch die
Realisierung eines geschlossenen Kreislaufes mit destillativer Badpflege
minimiert werden.
Die Wasserlöslichkeit der meisten Kohlenwasserstoffe ist gering, was sich in ihrer
Einordnung in die Wassergefährdungsklasse 1 (kaum wassergefährdend) äußert.
Der Einsatz von
Teile-Reinigungsgeräten ohne Absaugung ist nur zulässig,
wenn das verwendete Lösemittel
-
im Sinne der Gefahrstoffverordnung nicht kennzeichnungspflichtig ist
-
einen Flammpunkt über 55 °C aufweist
-
der Massenanteil von halogenorganischen Verbindungen nicht mehr als 1 % beträgt.
Werden in Teile-Reinigungsgeräten Lösemittel verwendet, die diesen
Anforderungen nicht entsprechen, muss - zusätzlich zur natürlichen Lüftung -
eine technische Lüftung (Absaugeinrichtung) vorhanden sein.
Aufbereitung
Anwender von Gefahrstoffen sind gesetzlich verpflichtet, recyclingfähige Wertstoffe getrennt zu sammeln und diese entweder selbst nach Gebrauch zu regenerieren oder sie einer Wiederverwendung zuzuführen. Die Verwertung von Abfällen hat Vorrang vor der Entsorgung, wenn:
-
sie technisch möglich ist
-
die hierbei entstandenen Kosten im Vergleich zu anderen Verfahren der Entsorgung nicht unzumutbar sind
-
für die gewonnenen Stoffe ein Markt vorhanden ist.
Bei der Reinigung gebrauchter Lösemittel besteht die Aufgabe entweder
darin, Verunreinigungen abzutrennen, oder Gemische wieder in die
Einzelkomponenten zu
zerlegen. Die Rückgewinnung verunreinigter, flüssiger Lösemittel
erfolgt in
der Regel durch Destillation. Unter Destillation (destillare, lat. =
herabtropfen) wird die Trennung einer Lösung durch Verdampfen und
anschließendes räumlich getrenntes Kondensieren verstanden. Die
Trennung beruht auf der
unterschiedlichen Siedetemperatur von Lösemittel und Lösestoff. Am Ende
des
Destillationsvorganges kann das gereinigte Lösemittel wiederverwendet
werden. Übrig bleibt ein Konzentrat in Form von
Schlamm oder Feststoffen, das entsorgt werden muss. Im einfachsten Fall
besteht eine Destillationsanlage
aus einem indirekt beheizten Verdampfungsbehälter mit einem
nachgeschalteten
Kondensator.
Praxiserfahrungen zeigen, dass die zentrale Aufarbeitung vom Lösemittel auch
Nachteile mit sich bringt, weil nicht alle Nutzer die unbedingt notwendige
sortenreine Sammlung beachten. Bereits kleine Beimengungen von anderen Stoffen können
die aufwendige Aufarbeitung zunichte machen. Aus diesem Grund wird in erster
Linie eine dezentrale Aufarbeitung direkt am Entstehungsort unterstützt.
Inzwischen können relativ saubere halogenfreie Lösemittel kostengünstig
der Energiegewinnung zugeführt werden. Aus diesem Grund werden die
Abfallerzeuger gebeten, geeignete Lösemittel getrennt zu sammeln. Es handelt
sich insbesondere um brennbare Stoffe, wie z. B. Alkohole (Methanol, Ethanol,
Isopropanol), Ketone (Aceton), Ester, Xylol, Benzol, Toluol u. ä. Die Flüssigkeiten
dürfen keine Feststoffe, störenden Reaktionsprodukte und nach Möglichkeit kein
oder nur wenig Wasser enthalten. Regenerierungsfähige Lösemittel fallen nicht
unter diese Kategorie von Abfällen.
Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
geförderten Forschungsprojektes zur ganzheitlichen Bilanzierung von Verfahren der
industriellen Teilereinigung wurde ein Vergleich der drei am häufigsten
eingesetzten Verfahren - Reinigung mit CKW, nichthalogenierten
Kohlenwasserstoffen nach VbF AIII und wässrigen Systemen - sowie eine ökologisch-ökonomische
Schwachstellenanalyse der Einzelverfahren durchgeführt (Ökobilanz).
Allgemeine Richtlinien für den Umgang mit organischen Reinigern enthält die
Verordnung
zur Umsetzung der Richtlinie 1999/13/EG über die Begrenzung von Emissionen flüchtiger
organischer Verbindungen (Zusammenfassung).
Richtlinien für die zulässigen Immissionen in die Umwelt können dem
Bundes-Immissionsschutzgesetz
(BImSchG)
entnommen werden.
Referenzen
T. W. Jelinek
Reinigen und Entfetten in der Metallindustrie
Eugen G. Leuze Verlag, 1999
Online-Magazin "JOT - Journal für Oberflächentechnik"
http://www.jot-oberflaeche.de/
-
Ausgabe 01/00: Reinigung von Kugellagern
-
Ausgabe 06/99: KW- Reinigung bei großen Chargen und komplizierten Teilen
-
Ausgabe 07/99: Reinigen mit Kohlenwasserstoffen - Stand der Technik und neue Trends
-
Ausgabe 12/99: Industrielle Reinigung - Noch höhere Standzeiten und niedrigere Restschmutzgehalte
-
Ausgabe 03/98: Präzisionsreiniger für Metall-, Elektronik- und Optikanwendungen
-
Ausgabe 11/98: Reinigen mit nicht-VOC-relevanten Lösemitteln
-
Ausgabe 08/98: Reinigung mit halogenfreien Lösemitteln: Anwendungstrends und VOC-Richtlinie
N. N.
Guide to Vapor Degreasing and Solvent Cold Cleaning
ASM Handbook, Volume 5, Surface Engineering, ASM International, 1996
Peterson, D.
Practical Guide to Industrial Metal Cleaning
Hanser Gardner Publications, 1997
Weiner, R.
Metall-Entfettung und -Reinigung
Eugen G. Leuze Verlag, 1969
US-Amerikanische
Wissensbasis "Sage: Solvent Alternatives Guide"
