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Saure Reiniger

Saure Reiniger sind wässrige Lösungen mit einem pH-Wert < 6. Diese Reinigergruppe zeichnet sich durch eine relativ komplexe Zusammensetzung aus. Typische Komponenten eines sauren Reinigers sind: Ein saurer Bestandteil, wasserlösliche organische Lösemittel, oberflächenaktive Substanzen und Inhibitoren.

Saure Reiniger sind wässrige Lösungen mit einem pH-Wert < 6. Diese Reinigergruppe zeichnet sich durch eine relativ komplexe Zusammensetzung aus. Typische Komponenten eines sauren Reinigers sind: Ein saurer Bestandteil, wasserlösliche organische Lösemittel, oberflächenaktive Substanzen und Inhibitoren.

Saure Lösungen sind in der Lage, anorganische Verschmutzungen (Metallabrieb, Staub, Pigmente) sehr wirkungsvoll zu entfernen. Ein weiterer typischer Einsatzfall für die saure Reinigung ist die Oberflächenbehandlung von oxidierten Metallen (Entfernung von Rost, Zunder). Größere Mengen Fett oder Öl können nicht entfernt werden.

Beim Umgang mit stark sauren Reinigern muss das Arbeitspersonal vor der ätzenden Wirkung der Reinigungslösung und ihrer Dämpfe geschützt werden. Ausreichende Schutzkleidung ist in diesen Fällen unbedingt erforderlich.


Eigenschaften


Säuren sind chemische Verbindungen mit einem pH-Wert < 6. Sie bestehen aus dem Säurewasserstoff und dem Säurerest. Werden Säuren mit Wasser verdünnt, spalten sich ionisierte Wasserstoffatome (H+) ab und es entstehen Oxonium-Ionen (H3O+), die für die saure Eigenschaft der Lösung verantwortlich sind. Je leichter das Wasserstoffatom abgespalten werden kann, desto stärker ist die Säure.

Die sauren Reiniger bestehen meist aus einem sauren Bestandteil (anorganische Säuren, organische Säuren, saure Salze), aus wasserlöslichen organischen Lösungsmitteln (Alkohole, Ester) und aus oberflächenaktiven Verbindungen (Tensiden, Emulgatoren), welche die Benetzung der Oberfläche begünstigen und die abgelösten Fette emulgieren. Vielfach enthalten saure Reiniger zusätzlich Inhibitoren, die einen Angriff des Grundmaterials unterbinden.


Das Reinigungsprinzip basiert darauf, dass in einer sauren Lösung vorhandene H+-Teilchen sich sowohl am Schmutz als auch an der zu reinigenden Oberfläche anlagern. Die positive Ladung an Schmutz und Oberfläche führt dazu, dass der Schmutz von der Oberfläche abgestoßen wird. Die Abstoßungskräfte sind aber (im Vergleich zu alkalischen Lösungen) gering. In Abhängigkeit von den Reinigungsanforderungen wird zwischen schwachsauren (pH-Wert 2 - 6) und sauren Lösungen (pH-Wert < 2) unterschieden.


Die Trocknung erfolgt für gewöhnlich im warmen Luftstrom. Normalerweise übersteigen die Temperaturen hierbei aus ökonomischen Gründen nicht 100 °C. Zur genauen Temperatursteuerung können auch Infrarot-Trockner eingesetzt werden.


Einsatzgebiete


Im Gegensatz zu Lösemitteln zeigen saure Reiniger eine sehr gute Reinigungswirkung bei anorganischen Verschmutzungen wie Pigmenten, Stäuben und Metallabrieb. Weiterhin können sie metallische Oberflächenoxide (vor allem Rost und Zunder) effektiv lösen.


In Entrostungsmitteln sind anorganische Säuren (Salzsäure, Phosphorsäure) zur Auflösung des Rostes und zur Entfärbung von Eisen-Ionen enthalten. Rost ist ein Eisen(III)-Oxidhydroxid, das durch Säuren in lösliche Eisenverbindungen überführt werden kann. Fest in Oberflächen eingelagerte gelbbraune Eisen(III)-Ionen werden durch Komplexierung mit Phosphorsäure entfärbt.


Die Oberflächenreinigung mit sauren Reinigungsmitteln ist nur bedingt in der Lage unpolare Fett- und Ölverschmutzungen zu entfernen. Der Reinigungsvorgang läuft dabei folgendermaßen ab: Die Befettung ist adsorptiv an die Oberfläche gebunden. Grenzflächenaktive Substanzen (Tenside) setzen die Grenzflächenspannung zwischen der Befettung und der wässrigen Lösung herab. Unterstützt durch den Eintrag mechanischer Energie, wie zum Beispiel durch Ultraschall, umnetzen sie die Ölphase und das Öl kann in Tropfenform vom Werkstück abrollen. Neben einem Eintrag mechanischer Energie steigert auch eine Erhöhung der Badtemperatur die Reinigungsleistung. Eine relativ gute Entfettungswirkung kann erreicht werden, wenn der Reiniger in Verbindung mit speziellen, auf den Anwendungsfall zugeschnittenen Zusatzstoffen benutzt wird. Dabei ist aber mit wesentlich höheren Investitionskosten zu rechnen.


Chromsäure wird benutzt, um Gusseisen und rostfreien Stahl zu reinigen. Sie wird oft als letzte Phase im Reinigungsprozess benutzt, da sie den Korrosionswiderstand von beschichteten Oberflächen vergrößert. 10 - 20 %ige Salpetersäure wird benutzt, um rostfreien Stahl und Aluminium aufzuhellen. Bei der elektrolytischen Reinigung wird empfohlen, hochkonzentrierte Schwefelsäure oder Salzsäure einzusetzen.


Erhitzung
: Saure Reiniger werden selten über 82 °C erhitzt. Verbesserte Reinigerformulierungen haben in den letzten Jahren vielfach eine Reinigung bei Raumtemperatur möglich gemacht, was große Energieersparnis mit sich brachte, jedoch bringt der Wärmeeinsatz normalerweise Vorteile bei der Entfernung von Rost oder hartnäckigen Verschmutzungen. Meist werden dann Temperaturen von 60 °C - 71 °C benutzt.


Die Tauchreinigung ist besonders gut für Bauteile mit komplexer Oberflächengeometrien geeignet. Dabei werden dem Reiniger Schaummittel zugesetzt, um zu verhindern, dass Dämpfe in die Atmosphäre gelangen und um den Wärmeverlust zu minimieren.


Die Trommelreinigung wird bei der Reinigung einer großen Anzahl von kleinen Teilen (z. B. Bolzen) eingesetzt. In einigen Fällen wird ein Fremdmedium (z. B. Kies, Sand) zur Verstärkung der Scheuerwirkung zugegeben. Der Reinigung erfolgt im Allgemeinen bei Raumtemperatur oder bei sehr hartnäckigen Verschmutzung bei leicht erhöhter Temperatur.


Die elektrolytische Reinigung beruht auf der mechanischen Wirkung der Gasbläschen sowie der chemischen Reduktion von Oberflächenoxidschichten bei anodischem Einsatz. Hierbei werden zumeist Schwefelsäurebäder verwendet. Fett und Öl sollten vollständig vor der elektrolytischen Reinigung entfernt sein, um die Badverschmutzung zu minimieren. Bei alkalischer Vorreinigung müssen die Teile gründlich gespült werden, um eine Neutralisation der Säure zu vermeiden. Die Taktzeiten sind kurz zu halten, anderenfalls kann es zu einer starken Verätzung des Grundmaterials kommen.


Bei allen sauren Reinigungsverfahren treten Verätzungserscheinungen der gereinigten Oberflächen auf. In viele Fällen ist dieses leichte Anätzen jedoch erwünscht und dient zur Vorbereitung für die nachfolgenden Prozessschritte. Wenn der Grundmaterialangriff nicht toleriert werden kann, muss ein anderer Reinigungsprozess gewählt werden.


Arbeitsschutz


Säuren können auch in verdünnter Form Kleidung beschädigen oder zerstören und ernsthafte Verletzungen hervorrufen. Berührung mit den Augen und der Haut ist zu vermeiden. Daher ist eine ausreichende Schutzbekleidung (dichtschließende Schutzbrille, Gummistiefel, etc) notwendig. Es sollten außerdem Augenduschen und eine Erste-Hilfe-Ausstattung vorhanden sein. In der Nähe der Anlagen ist auf rutschfeste Bodenbeläge zu achten. Es muss zudem vermieden werden, dass Cyanide mit der Säure in Kontakt kommen und dabei Wasserstoffchloridgas entsteht.


Elektrolytische Reinigungssysteme bergen die potentielle Gefahr von Spritzern, daher sollte das Personal andiesen Anlagen Gummischuhe und �handschuhe tragen. Die elektrischen Spannungen von 5 V - 15 V bergen keine Gefahr.


Nebel aus Spritzanlagen oder aus warmen Bädern stellt ebenfalls eine Gesundheitsgefahr dar. Die Nebelbildung steigt mit der Zahl der Werkstücke, der Temperatur, dem Säuregehalt der Lösung und der Stromdichte bei elektrolytischer Reinigung. Der Nebel enthält alle Bestandteile der Reinigungslösung, daher ist für entsprechende Be- und Entlüftung zu sorgen.


Saure Reiniger dürfen nicht mit anderen Reinigern vermischt werden. Beim Verdünnen mit Wasser ist das Produkt langsam unter ständigem Rühren dem Wasser zuzugeben. Bei der Verarbeitung ist auf eine gute Raumlüftung zu achten.


Saure Reiniger sollten nicht zusammen mit Laugen gelagert werden. Dicht verschlossene Behälter müssen kühl und trocken in einem gut belüfteten Raum gelagert werden. Säuren dürfen nicht in Leichtmetallbehältern gelagert werden.


Aufbereitung und Entsorgung


Bei der wässrigen Reinigung entsteht Abwasser, das in der Regel nicht direkt (in Flüsse oder Bäche), oder indirekt (in kommunale Kläranlage) ohne Abwasseraufbereitung eingeleitet werden darf. Die Hauptverschmutzungen, die zu entfernen sind, oder eine Abwasserabgabe bewirken, sind:


- CSB (chemischer Sauerstoffbedarf) durch gelöste Öle und Fette sowie durch Tenside und Inhibitoren
- Säuren oder Laugen (pH-Wert)
- Mineralöl, Petrolether-extrahierbare Substanzen
- Metallionen, wie Zn, Cu bei Reinigung der entsprechenden Metalle oder Legierungen
- AOX (adsorbierbares organisch gebundenes Chlor) aus Chlorkohlenwasserstoffen


Zur Aufbereitung der Abwässer, die bei der wässrigen Reinigung anfallen, gibt es seit langem bewährte Verfahren. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um die Neutralisation und die Ölabtrennung. Bei nur geringem Anfall an verschmutzten Reinigerbädern kann es auch vorteilhaft sein, diese durch ein darauf spezialisiertes Unternehmen entsorgen zu lassen.


Alle wässrigen Lösungen mit einem pH-Wert kleiner 7 gelten als Säuren und müssen entsprechend entsorgt werden. Bei der Abfallabgabe ist grundsätzlich der pH-Wert anzugeben. In den Behältern dürfen nur Säuren gemischt werden, die nicht miteinander reagieren. Anorganische und organische Säuren sollten getrennt gesammelt werden. Der Inhalt muss frei von Ölen, Fetten und organischen Lösemitteln sein. Folgende Säuren müssen getrennt von anderen Säuren gesammelt werden:


- Salpetersäure
- Chromschwefelsäure
- Flusssäure (Konzentration ist anzugeben)


Organische Säuren (z. B. Essigsäure) sind getrennt von organischen Lösemitteln zu sammeln, da z. B. mit Ethanol exotherme Reaktionen eintreten können.


Referenzen


T. W. Jelinek

Reinigen und Entfetten in der Metallindustrie

Eugen G. Leuze Verlag, 1999


Online-Magazin "JOT - Journal für Oberflächentechnik"

http://www.jot-oberflaeche.de/


-Ausgabe: 04/98: Grundsätzliches zur wässrigen Teilereinigung

-Ausgabe: 03/99: Welches Reinigungssystem ist das richtige?


N. N.

"Guide to Acid, Alkaline, Emulsion and Ultrasonic Cleaning"

ASM Handbook, Volume 5, Surface Engineering, ASM International, 1996


N. N.

"Guide to Pickling and Descaling, and Molten Salt Bath Cleaning"

ASM Handbook, Volume 5, Surface Engineering, ASM International, 1996


Peterson, D

"Practical Guide to Industrial Metal Cleaning"

Hanser Gardner Publications, 1997


US-Amerikanische Wissensbasis "Sage: Solvent Alternatives Guide"

http://sage.rti.org


Weiner, R.

"Metall-Entfettung und -Reinigung"

Eugen G. Leuze Verlag, 1969

Name des Autors: team