Bei diesem Reinigungsverfahren wird das Kohlendioxid in seiner
überkritischen Phase als Lösungsmittel verwendet. Die physikalischen
Eigenschaften dieser turbulenten Phase liegen zwischen denen der flüssigen
und der gasförmigen Phase. Der Vorteil gegenüber der Reinigung
mit flüssigem Kohlendioxid liegt darin, dass die überkritische Phase eine
geringere Viskosität und Oberflächenspannung aufweist, so dass auch kleinste
Spalte und feinste Poren gereinigt werden können. Die Reinigung findet bei einer Temperatur von
35 °C - 65 °C und einem
Druck von 138 bar - 276 bar statt.
Die gereinigten
Bauteile weisen einen hohen Grad an Reinheit auf. Die Menge der
zurückbleibenden
Verunreinigungen beträgt meist weniger als 100 mg pro Quadratmeter.
Außerdem sind die Bauteile nach der Reinigung trocken, so dass ein
zusätzlicher
Schritt der Trocknung nicht erforderlich ist.
Die Verwendung von Kohlendioxid ist ungefährlich. Es
ist nicht
giftig und bildet mit Luft keine explosiven Gemische. Auch für die
Umwelt ist Kohlendioxid ein unbedenkliches Reinigungsmittel, da
es nicht zusätzlich produziert wird, sondern als
Abfallprodukt anderer Prozesse entsteht und so sinnvoll weiterverwendet
wird.
Physikalischer Hintergrund
Die überkritische Phase eines Stoffes wird erreicht, indem die
Flüssigkeit in einem geschlossenem Behälter so lange erhitzt wird, bis die
Dichte des entstehenden Gases genau so groß ist, wie die Dichte des restlichen
flüssigen Anteils. Bei Kohlendioxid geschieht dies bei einer Temperatur von ca.
31 °C und bei einem Druck von ca. 75 bar. Die
überkritische Phase nimmt bezüglich ihrer physikalischen Eigenschaften eine
Zwischenstellung zwischen der flüssigen und der gasförmigen Phase ein.

Phasendiagramm von Kohlendioxid
Die überkritische Phase des Kohlendioxids besitzt eine Dichte
von 0,47 g/cm3. Der Vorteil gegenüber der
Verwendung von flüssigem Kohlendioxid liegt darin, dass die überkritische Phase eine
geringere Viskosität und Oberflächenspannung aufweist, so dass auch kleinste
Spalte und feinste Poren gereinigt werden können. In dem überkritischen
Zustand besitzt das CO2 keine merkliche Oberflächenspannung mehr. Die
Viskosität wird sehr gering und die Diffusion bzw. Durchmischung innerhalb des
überkritischen Fluids ist sehr hoch. Durch diese Eigenschaften können in CO2 lösbare
Substanzen aus porösen Feststoffen extrahiert werden. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist
die Entkoffeinierung von Kaffee oder die Herstellung von nikotinarmem Tabak.
Das Lösevermögen flüssigen Kohlendioxids für organische Stoffe ist von
dem Kammerdruck abhängig. Liegt der Kammerdruck gerade über dem zum Erreichen
des überkritischen Zustandes erforderlichen Druck von ca. 75 bar (bei
Raumtemperatur), so liegt das Lösevermögen des Kohlendioxids um ca. 4
Zehnerpotenzen unter dem der FCKW. Erst bei sehr hohen Drücken von über 500
bar wird das Lösevermögen der FCKW erreicht. Bei der Auslegung der Anlage ist
also abzuwägen, ob der erhöhte Anlagenaufwand einer Hochdruckanlage den
höheren Kohlendioxidverbrauch einer Niederdruckanlage wettmacht.
Die Reinigung findet in der Regel bei einer Temperatur von 35 °C - 65 °C und einem Druck
von 138 bar - 276 bar statt. Das überkritische Kohlendioxid löst die
Verschmutzungen von den zu reinigenden Oberflächen. Die Reinigungszeit beträgt
in der Regel 15 bis 30 min. Während dieser Zeit wird kontinuierlich frisches
CO2 durch die Reinigungskammer gepumpt. Das Gemisch aus
überkritischem Kohlendioxid und den Verschmutzungen fließt zum Abscheider, wo
das Kohlendioxid wieder in den gasförmigen Zustand übergeht und die
Verunreinigungen abgeschieden werden. Das gasförmige
Kohlendioxid wird in einem Kühler verflüssigt und fließt zur weiteren Verwendung zurück in den Vorratstank.
Kreisprozeß bei der Bauteilreinigung mit überkritischem
CO2
Die gereinigten Bauteile weisen einen hohen Grad an Reinheit auf. Die Menge
der zurückbleibenden Verunreinigungen beträgt weniger als 100 mg pro
Quadratmeter Bauteiloberfläche.
Außerdem sind die Bauteile nach der Reinigung trocken, so dass ein
zusätzlicher Schritt der Trocknung nicht erforderlich ist.
Bei Anlagen mit hohem Kohlendioxidverbrauch kann das verunreinigte CO2 zur
Energierückgewinnung über eine Turbine entspannt werden. Eine weitere
Möglichkeit der Energieeinsparung ist eine Aufbereitungsstufe für das
flüssige Kohlendioxids, durch die eine Erhöhung der Standzeit erreicht werden
kann.
Haupteinsatzgebiete
Das typische Einsatzgebiet für die Bauteilreinigung mit überkritischem CO2
ist die Reinigung von relativ kleinen Bauteilen mit sehr hohen Anforderungen an
die Oberflächenreinheit oder mit einer hoher Porosität bzw. engen
Spalten. Eine breit angelegte experimentelle Untersuchung der
US-Amerikanischen "Los Alamos National Laboratories" mit 49
Werkstoffproben, die mit 145 Substanzen definiert verunreinigt und mit
überkritischem CO2 gereinigt wurden zeigte, dass die Reinigungswirkung nahezu
unabhängig von dem zu reinigenden Material ist und dass alle organischen
Verunreinigungen mit nicht zu hohem Molekülgewicht mit sehr hoher Effektivität
entfernt werden können.
Mit überkritischem Kohlendioxid können
folgende Oberflächen gereinigt werden:
Verschiedene Stähle,
Sinterwerkstoffe, Messing, Berillium, Gold, Silber, Kupfer, Keramiken,
Teflon
und Silikon. Kunststoffe können nur bedingt gereinigt werden. So bilden
sich z. B. infolge von Gasaufnahme auf der Oberfläche von Polycarbonat
feine
Bläschen.
Entfernt werden können folgende
Verunreinigungen:
Im Allgemeinen können alle nichtpolaren
hydrophoben Verschmutzungen entfernt werden, während hydrophile Verschmutzungen
wie z. B. anorganische Salze, Fingerabdrücke usw. nicht entfernt werden können.
Probleme bereiten auch Fette, Öle
und Wachse mit einem hohen Molekülgewicht, die in Kohlendioxid generell nicht
gelöst werden können. Außerdem können keine kleinen anorganischen Partikel entfernt
werden, wie sie in Hon-, Läpp- und Polierpasten vorkommen. Gut zu entfernen
sind leichte Fette und Öle, Silikon,
Hydrokarbonate, Ester, Fluorkarbonate, Maschinen- und Schmieröle,
silikonhaltige Öle, Flussmittelrückstände, Erdöle, dielektrische Öle und
Plastifiziermittel.
Einsatzbeispiele:
Reinigung von optischen Gläsern,
porösen Keramiken, Schmuckstücken, Teilen von Musikinstrumenten, gestanzten, tiefgezogenen,
gedrehten und geschliffenen Bauteilen, Beschleunigungsmessern, Thermalschaltern,
Ventilsitzen, Kameralinsen, Laseroptikkomponenten,
Navigationskompassen für Raketen, Wafern, Konnektoren, Transformatoren und Kabeln in der Radartechnik von Flußmitteln und
dielektrischen Ölen, O-Ringen von Plastifiziermitteln und Maschinenölen,
Dichtungen von Plastifiziermitteln und Monomeren, Baumwollballen und -lappen von
organischen Auszügen und Triglyceriden.
Eine weitere Anwendung ist die Abtrennung von Inhaltsstoffen aus Kaffee, Tee, Tabak,
Hopfen, Gewürzen und anderen Naturprodukten.
Umwelt- und Arbeitsschutz
Der MAK-Wert für Kohlendioxid liegt bei 5000ppm. Deshalb sollte sich,
insbesondere bei Anlagen mit nicht geschlossenem
Kohlendioxid-Kreislauf, am
Arbeitsplatz ein Messgerät befinden, das die Kohlendioxid-Konzentration
misst. Außerdem sollte beachtet werden, dass Kohlendioxid
schwerer ist als Luft und sich deshalb in Mulden oder Bodensenken
sammelt.
Ansonsten ist
die Verwendung von Kohlendioxid ungefährlich. Es ist nicht giftig und
bildet
mit Luft keine explosiven Gemische.
Auch für die Umwelt ist Kohlendioxid ein unbedenkliches Reinigungsmittel, da
es nicht eigens für die Reinigung produziert wird, sondern als
Abfallprodukt anderer Prozesse entsteht und so sinnvoll weiterverwendet wird.
Da es sich hier um Hochdruckanlagen handelt, ist auf entsprechende anlagentechnische
Sicherheitsaspekte zu achten.
Zur Energierückgewinnung kann das verunreinigte CO2 beim Verlassen der Ablage über
eine Turbine entspannt werden. Eine weitere Möglichkeit der Energieeinsparung
ist eine Aufbereitungsstufe für das flüssige Kohlendioxid, durch die eine Erhöhung
der Standzeit erreicht werden kann.
Anlagen und Kosten
Eine komplette Anlage besteht aus einem Kompressor, einem Wärmetauscher zum
Erwärmen, einer Druckkammer, einem Ventil zur Kontrolle des Druckes, einem
Wärmetauscher zum Abkühlen und einem Abscheider. Die übliche Größe des
Reinigungsbehälters variiert zwischen 10 ml und 60 l (Stand 2000). Realisiert werden bewegte
und unbewegte Autoklaven. Bewegte Autoklave sind zu
empfehlen, falls die zu reinigenden Bauteile Sacklöcher o. ä. enthalten.
Es empfiehlt sich zumeist, eine Anlage vorzusehen, in der sowohl mit
flüssigem Kohlendioxid als auch mit überkritischem Kohlendioxid gereinigt
werden kann, da das Lösungsvermögen von flüssigem Kohlendioxid im Vergleich
zu überkritischem Kohlendioxid größer ist, wohingegen feine Poren und
Risse wegen der geringeren Oberflächenspannung besser von überkritischem
Kohlendioxid gereinigt werden können.
Die Anschaffungskosten sind relativ hoch. So kostete eine
mittelgroße Anlage 1999 rund 100.000 $. Dagegen sind die zu erwartenden
Betriebskosten relativ gering. In einer Versuchsreihe wurden 1994 in
den USA pro Stunde 0,90 $ Energiekosten
ermittelt, wobei mit einer Temperatur von 30 °C und einem Druck von 103
bar in einem Reinigungsbehälter mit einem Volumen von 60 l gereinigt
wurde. Bei gröberen Verschmutzungen wurde dieselbe Anlage bei einer
Temperatur von 40 °C und bei einem Druck von 241 bar betrieben. Die
Energiekosten betrugen in diesem Fall 2,75 $. Neben den
Energiekosten fallen weitere Kosten für das verwendete Kohlendioxid an.
Diese
lagen 1995 bei 0,10 $ pro kg flüssigem Kohlendioxid.
Versuchsanlage der "Los Alamos National
Laboratories"
Referenzen
Homepage der
"United States Environmental Protection Agency"
www.epa.gov
Online-Magazin
"Precision Cleaning Web"
www.precisioncleaningweb.com
Online-Magazin
"Parts Cleaning Web"
www.partscleaningweb.com
US-Amerikanische
Wissensbasis "Sage: Solvent Alternatives Guide"
http://sage.rti.org
Online-Informationen
des "Los Alamos National Laboratory"
www.scrub.lanl.gov
Reinigen mit
komprimiertem Kohlendioxid
Online-Artikel,
Journal für Oberflächentechnik, Ausgabe 98/05, 1998
www.jot-oberflaeche.de