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Salzbadreinigung

Geschmolzene Salzbäder (Badtemperatur 200 °C bis 650 °C) können genutzt werden, um Bauteile von einer Vielzahl von anhaftenden Substanzen, wie Ölen, Fetten, Farben, Lacken, Beschichtungen, Oxiden, Wachsen, Gläsern, Kunststoffen oder Formsand, zu reinigen. Die Entfernung der Fremdstoffe wird dabei zumeist durch eine thermochemische Reaktion zwischen dem flüssigen Salz und der Verunreinigung erreicht. Für die unterschiedlichen Anwendungen werden verschiedene Verfahren eingesetzt.

Geschmolzene Salzbäder (Badtemperatur 200 °C bis 650 °C) können genutzt werden, um Bauteile von einer Vielzahl von anhaftenden Substanzen, wie Ölen, Fetten, Farben, Lacken, Beschichtungen, Oxiden, Wachsen, Gläsern, Kunststoffen oder Formsand, zu reinigen. Die Entfernung der Fremdstoffe wird dabei zumeist durch eine thermochemische Reaktion zwischen dem flüssigen Salz und der Verunreinigung erreicht. Für die unterschiedlichen Anwendungen werden verschiedene Verfahren eingesetzt.

















Bild: PrecisonCleaningWeb

Bei der Salzbadreinigung werden eine hohe Reaktivität und ein hohes Lösevermögen kombiniert, wodurch eine sehr schnelle und gründliche Reinigung möglich wird. Die Reinigungszeiten liegen im Bereich einiger Sekunden bis weniger Minuten. Nach der Reinigung im Salzbad müssen die Bauteile in Wasser gespült werden, um die Bauteile abzukühlen und anhaftende Salzreste zu entfernen.


Physikalischer Hintergrund


Bei der Salzbadreinigung werden eine hohe Reaktivität und ein hohes Lösevermögen kombiniert, was eine sehr schnelle und gründliche Reinigung ermöglicht. Die Reinigungszeiten liegen, je nach Anwendungsfall, im Bereich einiger Sekunden bis weniger Minuten.


Die im Salzbad enthaltenen Chemikalien unterscheiden sich von anderen Salzbadzusammensetzungen, wie sie für die Wärmeübertragung oder Wärmebehandlung genutzt werden. Ebenso unterscheidet sich die benötigte Ausrüstung. Im Bad entstehen unlösliche Nebenprodukte, die sicher und effektiv gesammelt und entfernt werden müssen. Nach der Reinigung im Salzbad müssen die Bauteile in Wasser gespült werden, um zum einen anhaftende Salzreste zu entfernen und zum anderen die Bauteile abzukühlen.


Die Reinigungswirkung ist abhängig von der Zusammensetzung der anorganischen Bestandteile der Salzschmelze. Die am häufigsten vorkommenden sind: Alkalihydroxide, Alkalinitride, Alkalichloride und Alkalifluoride. Die chemischen Prozesse, die während der verschiedenen Reinigungsanwendungen ablaufen, reichen von einer einfachen Auflösung der Verschmutzungen bis zu komplizierteren Reaktionen, wie z. B. einer thermochemischen Oxidation organischer Produkte.


Entfernen von Farben, Lacken und Kunststoffen


Für die Entfernung von Farben, Lacken und Kunststoffen werden oxidierende Salzbäder eingesetzt. Hierbei stellt zumeist Alkalinitrat den Sauerstoff zur Verfügung, der die Oxidation des organischen Materials zu Kohlendioxid ermöglicht:


C + 2NO-3 -> CO2 + 2NO-2


Der Kontakt mit atmosphärischem Sauerstoff an der Badoberfläche reoxidiert das Nitrit wieder zu Nitrat (Regeneration des Bades):


2 NO-2 + O2 -> 2 NO-3


Das bei der Reduktion gebildete CO2 reagiert mit den Alkalien im Bad zu alkalischen Karbonaten:


CO2 + 2 OH- -> CO2-3 + H2O


Nach der Sättigung des Bades mit diesen alkalischen Karbonaten fällen weitere als Schlamm aus der Lösung aus. Dieser Schlamm sinkt aufgrund seiner höheren Dichte nach unten und kann in einer Sammelstelle abgesetzt und aus dem Bad entfernt werden. Neben den alkalischen Karbonaten enthält der Schlamm unlösliche anorganische Pigmente und Füllstoffe aus der entfernten Farbe.


Abhängig von dem Typ und der Dicke der zu entfernenden Schicht kann die Behandlungsdauer im Salzbad einige wenige Sekunden bis mehrere Minuten dauern. Die Betriebstemperatur ist abhängig von dem spezifischen Prozess und liegt zumeist zwischen 290 °C und 480 °C. Der niedrigere Temperaturbereich wird bei temperaturempfindlichen Materialien und Komponenten eingesetzt, während bei robusteren Bauteilen eine höhere Temperatur gewählt wird.


Reinigen von Sandguss- oder Feingussteilen


Bei der Reinigung von Sandgussteilen werden Abbinderrückstände und eingebrannter Kernsand, bei der Reinigung von Feingussteilen Gusshautreste und anhaftende Wachse entfernt. Die Hauptreaktion bei der Entfernung von Formsand ist die Umwandlung von Silikat in eine im Bad lösliche Alkalikieselsäureverbindung:


SIO2 + 2 OH- -> SIO2-3 + H2O


Bei den vorherrschenden Betriebstemperatur von 480 °C - 650 °C verdampft das entstehende Wasser sofort, was an einem leichten Schäumen an der Badoberfläche zu erkennen ist.


Der im wesentlichen aus Fe3O4 bestehende Zunder wird zu Fe2O3 oxidiert, was mit einer Volumenzunahme verbunden ist, die eine Spannungszunahme in der Zunderschicht zur Folge hat. Ein Abschrecken mit kaltem Wasser kann so zu einem Absprengen der Zunderschicht führen.


Bei Gusseisenteilen erfolgt die Reinigung zumeist elektrolytisch und beinhaltet drei Schritte. Der erste Schritt stellt eine kathodische Reduktion dar, bei der der Sand und die Zunderschicht entfernt werden. Im zweiten Schritt wird das Gussteil anodisch oxidiert. Dieser Schritt wandelt den vorher freigelegten Graphit an der Oberfläche in Kohlendioxid um. Der dritte Schritt ist die kathodische Entfernung der dünnen Eisenoxidschicht, die sich während des Oxidationsschrittes auf dem Gussteil gebildet hat. Das Resultat ist eine zunder-, sand- und graphitfreie Oberfläche, die problemlos beschichtet oder gelötet werden kann. Dabei sorgen die durch das Herauslösen des Graphits entstandenen Lücken in der Oberfläche für eine zusätzliche mechanische Verklammerung der Schicht bzw. des Lots.


Entfernen von Glasrückständen


Geschmolzene Salze sind ein effektives Medium um verfestigte Gläser und glasige Schichten von Metallen zu entfernen. Typische Anwendungsfälle sind die Reinigung von Spinndüsen und Spinnplatten in der Glasfaserproduktion oder die Reinigung von Schmiedegesenken von glasartigen Trennmitteln. Die bei der Glasentfernung ablaufenden Reaktionen sind dieselben, wie bei der Gussteilreinigung.


Entfernen von Plasma- und Flammspritzbeschichtungen


Zum Entfernen von Plasma- oder Flammspritzbeschichtungen werden oxidierende Salzbäder eingesetzt. Die entfernende Reaktion bezieht normalerweise die metallischen Teile und die Karbidteile mit ein. Durch die metallischen Bestandteile werden lösliche Alkalisalze gebildet, während der Karbidteil zu Kohlendioxid oxidiert wird. Wenn zum Beispiel Chromkarbide vorhanden sind, ergeben sich als Reaktionsprodukte Alkalichromate und Alkalikarbonate. Die durch Weglassen der Alkalikarbonatreaktion vereinfachte Reaktionsgleichung lautet:


CrC + 5 NO-3 + 4 OH- -> CrO2-3 + 2 H2O + 5 NO-2


Die vollständige Entfernung einer Plasma- oder Flammspritzschicht erfordert zumeist eine Reinigungszeit von 15 bis 30 Minuten. Die Entfernung abgenutzter Beschichtungen während der Nachbearbeitung oder Instandsetzung ist entsprechend schneller möglich.


Haupteinsatzgebiete


Salzbäder werden genutzt, um zumeist metallische Werkstücke von einer Vielzahl von anhaftenden Substanzen, wie Ölen, Fetten, Lackierungen, Beschichtungen, Oxiden, Wachsen, Gläsern, Kunststoffen oder Formsand, zu reinigen. Da es sich bei der Salzbadreinigung um ein sehr effektives und schnelles Reinigungsverfahren mit Reinigungsdauern im Bereich einiger Sekunden bis weniger Minuten handelt, wird es häufig in der Massenfertigung eingesetzt.


Typische Einsatzfälle sind:


-Ablösen von Formsand und Zunder von Gussteilen

-Entfernen der Gusshaut und anhaftender Wachse von Feingussteilen

-Vorbehandlung von Gussoberflächen für das Beschichten oder Hartlöten

-Reinigung von Spinndüsen in der Kunststofffaserindustrie

-Entfernen von Glasresten von Glasfaserspinndüsen

-Entfernen von glasartigen Trennmitteln aus Schmiedeformen

-Entfernen von Emaille-Schichten

-Entfernen von Farben, Lacken und organischen Beschichtungen

-Entfernen von Plasma- und Flammspritzbeschichtungen


Das eingesetzte Verfahren muss dabei auf den jeweiligen Anwendungsfall abgestimmt sein.



















Bild: PrecisionCleaningWeb



Die Salzbadreinigung kann nicht für alle Materialien eingesetzt werden, zum einen wegen der relativ hohen Prozesstemperatur des flüssigen Salzes (200 °C bis 650 °C), zum anderen wegen der chemischen Aktivität des Bades. Materialien mit geringem Schmelzpunkt, wie z. B. Blei, Zinn oder Glas, können aufgrund der hohen Prozesstemperatur nicht im Salzbad gereinigt werden. Einige Zink- und Aluminiumlegierungen sind ebenfalls nicht temperaturbeständig genug. Magnesiumlegierungen können nicht in oxidierenden Salzbädern gereinigt werden, da es bei erhöhter Temperatur zu starken Redoxreaktionen kommt, die zu einer Entzündung des Metalls führen können. Die meisten anderen Metalle, wie z. B. Kupfer, Bronze, Messing, Titan, sämtliche Stähle und die meisten Aluminiumlegierungen sind sowohl thermisch als auch chemisch kompatibel.


Problematisch sind Bauteile mit engen Spalten. Das geschmolzene Salz dringt zwar sehr gut in die Spalten ein, verfestigt sich jedoch bei der Abkühlung des Bauteils im Spülwasser. Das feste Salz kann dann nicht mehr problemlos ausgespült werden. Es nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebung auf und kann zur Spaltkorrosion führen.


Umwelt- und Arbeitsschutz


Ein Salzbad stellt sowohl eine thermische, als auch eine chemische Gefahr für das Bedienungspersonal dar, da sich das heiße Salz schnell in das menschliche Gewebe einbrennt und zudem meist stark alkalisch wirkt. Außerdem kann es zu chemischen Bränden kommen. Aus diesen Gründen sollten das Salzbad sowie die dazugehörigen Prozessbehälter für das Abkühlwasser, das Spülwasser und die Nebenproduktentfernung in einem abgeschlossenen System untergebracht werden. Dieses System sollte gut belüftet und zur Beobachtung mit Fenstern ausgestattet sein, um einen Kontakt des Bedienpersonals mit dem Salzbad oder den während des Abspülens der heißen Werkstücke entstehenden Dämpfen zu vermeiden. Zusätzlich sollte das gesamte Betriebspersonal mit den Handlungsprozeduren für die verwendeten Mittel vertraut sein und die entsprechenden Sicherheitsvorschriften beachten. Diese Informationen werden im Allgemeinen vom Lieferanten zur Verfügung gestellt.


Besondere Vorsichtsmaßnahmen sind beim Anheizen des Salzbades zu treffen. Wenn die Oberfläche des Salzbades eine feste Kruste gebildet hat, kann die Volumenzunahme beim Aufheizen eine Druckzunahme zur Folge haben. Wird der Druck zu groß, kann die feste Kruste plötzlich aufreißen, was zu einem eruptionsartigen Umherspritzen des geschmolzenen Salzes führen kann.


Bei der Salzbadreinigung entstehen Schlämme, die zum Teil hochgiftige Bestandteile, wie Schwermetalle (bei Entfernung von Farbe) oder sechswertiges Chrom (bei Entfernung von chromhaltigen Beschichtungen) enthalten. Der aus dem Bad entfernte Schlamm verfestigt sich beim Abkühlen zumeist zu einer dichten Masse, die jedoch wasserlöslich ist. Bei der Aufbereitung dieser Schlämme ist zunächst eine Anpassung des pH-Wertes in wässriger Lösung vorzunehmen. Sofern giftige Bestandteile vorhanden sind, müssen zusätzliche Aufbereitungsschritte durchgeführt werden, z. B. Reduktion von sechswertigem Chrom zu dreiwertigem, Metall-Fällung oder Filtration/Separation von Festkörpern. Aufgrund der hohen Anforderungen an die Nachbehandlung der Schlämme ist in vielen Fällen eine Entsorgung durch eine hierauf spezialisierte Firma sinnvoll.


Nach der Reinigung in der Salzschmelze werden die Bauteile in kaltem Wasser gespült, um anhaftende Salzreste zu entfernen. Die in diesen Spülstufen entstehenden Abwässer enthalten, wenn auch in geringerer Menge, dieselben Giftstoffe wie die Salzschmelze. Die Abwässer müssen daher auf dieselbe Art und Weise (pH-Wert Anpassung, Metall-Fällung, Filtration usw.) nachbehandelt werden. Zur Verringerung des erforderlichen Frischwasservolumens sollte das Spülen mehrstufig in Kaskadenschaltung erfolgen. Hierbei wird lediglich die letzte Spülstufe mit Frischwasser versorgt. Jede vorhergehende Spülstufe wird mit dem Abwasser der nachfolgenden Stufe gespeist.


Anlagen und Kosten


Das zu reinigende Material muss chargenweise in das Schmelzbad eingetragen oder, z. B. bei Drähten oder Bändern, kontinuierlich hindurchgeführt werden. Aufgrund der entstehende reaktiven Dämpfe sollte die Anlage gekapselt und mit einem Absaugsystem ausgestattet sein.













Beispielanlage der Firma Kolene


Anlagen zur Reinigung in Salzschmelzen können grob nach der Art des verwendeten Heizsystems unterschieden werden. Die Beheizung der Schmelze kann elektrisch, durch Gas oder nach dem Natriumhydridverfahren erfolgen. Die Auswahl des Heizsystems ist abhängig von den erzeugten und sedimentierenden Reaktionsnebenprodukten, da diese einen isolierenden Effekt haben.


Elektrisch beheizte Anlagen


Bei elektrisch beheizten Bädern werden entweder Widerstandselemente in gekapselter oder Bajonett-Form oder Elektroden, bei denen die Leitfähigkeit und der Widerstand des flüssigen Salzes selbst ausgenutzt werden, verwenden. Am zweckmäßigsten sind direkt in die Schmelze eintauchende Elektroden, die mit Wechsel- bzw. Drehstrom versorgt werden. Auf diese Weise wird ein Überhitzen der Behälterwände effektiv verhindert und eine gute Wärmenutzung erzielt.


Gasbeheizte Anlagen


Gasbeheizte Systeme sind sehr zuverlässig und ökonomisch. Die entzündete Brennstoffmischung wird durch ein Brennergefäß geleitet, das in das Salz eingetaucht ist. Bei der Beheizung muss darauf geachtet werden, dass keine örtlichen Überhitzungen auftreten, an denen sich die Reaktionsnebenprodukte ansammeln und so den Wärmeübergang in das Salzbad verzögern.


Natriumhydrid-Anlagen


Beim Natriumhydridverfahren werden, je nach Größe des Bades, ein oder mehrere Natriumhydridgeneratoren verwendet. Dabei handelt es sich um unten offene Glocken, die zu etwa 2/3 in das Schmelzbad tauchen. Durch einen mit einem Astbestring abgedichteten Deckel wird in die Glocke Natriummetall in Stücken eingebracht. Das Natrium schmilzt sofort und schwimmt an die Oberfläche des Bades. Durch die Seitenwand des Generators wird Wasserstoffgas eingeleitet, das mit dem Natrium unter Wärmeentwicklung Natriumhydrid bildet.



Referenzen

N. N.

"Guide to Pickling and Descaling, and Molten Salt Bath Cleaning"

ASM International, 1996


Peterson, D.

"Practical Guide to Industrial Metal Cleaning"

Hanser Gardner Publications, 1997


Weiner, R.

"Metall-Entfettung und -Reinigung"

Eugen G. Leuze Verlag, 1969


Online-Magazin "Parts Cleaning Web"

www.partscleaningweb.com

Name des Autors: team