Die Laserstrahlreinigung ist ein berührungsfreies und bauteilschonendes Verfahren, mit dem, bei entsprechender Prozessregelung,
scharf abgegrenzte Bereiche gereinigt und Schichten definierter Dicke abgetragen
werden können. Dabei wird nur eine sehr dünne Schicht des Grundwerkstoffes
einer Wärmebeeinflussung ausgesetzt. Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten
dieses noch jungen Verfahrens werden bislang noch nicht ausgeschöpft. Bisherige
Einsatzbeispiele sind das Entlacken und Entschichten metallischer Bauteile,
insbesondere in der Flugzeugindustrie, die Entfernung von Foto- oder
Lötstopplacken auf Leiterplatten, die Reinigung von Kunstwerken und Gemälden,
das Präzisionsentlacken zur selektiven galvanischen Oberflächenbeschichtung
sowie das Reinigen von Tiefdruckzylindern. Die erzielte Abtragsgeschwindigkeit
kann, je nach Anlage und zu entfernender Schicht, mehr als 10 m²/h
betragen.
Bild: JOT
03/2000
Physikalischer Hintergrund
Bei der Laserstrahlreinigung wird ein leistungsstarker,
fokussierter Laserstrahl über die zu reinigende Oberfläche geführt. Die
Deckschicht nimmt einen großen Teil der Leistung auf. Die Lichtenergie des
Laserstrahls wird dabei direkt in thermische Energie umgewandelt und verdampft
die Schmutzschicht. Bei der schlagartigen Verdampfung wird
eine Plasmaschockwelle erzeugt, durch die auch nicht verdampfbare Partikel
entfernt werden. Eine zusätzliche Reinigungswirkung ergibt sich durch die Übertragung
von Photonenimpulsen auf die Schmutzpartikel.

Beim Entlacken mit Laserstrahlung absorbiert die oberste
Lackschicht die Laserstrahlung und wandelt sie in Wärme um. Dadurch kommt es
lokal begrenzt zu einer Aufheizung über die Zersetzungstemperatur des
organischen Lackbindemittels. Die Bestandteile des Lackes gehen daraufhin in die
Gasphase über, strömen als Rauchpartikel aus der Wechselwirkungszone ab oder
werden in Form kleiner Lacksplitter von der Oberfläche abgesprengt.
Der Grundwerkstoff wird bei der Laserreinigung nicht angegriffen und aufgrund
der sehr schnellen Energieeintragung auch nur einer geringen Wärmebeeinflussung
ausgesetzt. Bei exakter Führung der Parameter ist auch eine selektive
Entlackung, das heißt, das Entfernen der obersten Lackschicht ohne
Beschädigung der darunter liegenden, möglich.

Bild:
Entlacken mit gepulsten Laserstrahlen (JOT-Journal für Oberflächentechnik
01/99)
Eine Möglichkeit der Entfernung von nicht verdampf- oder
zersetzbaren Partikel stellt die Übertragung von Photonenimpulsen dar. Compton beobachtete 1922, dass Photonen, die sich in
einer elektromagnetischen Welle fortbewegen, einen Impuls mit sich führen.
Bei der Absorption der Photonen geht der Impuls auf die Schmutzteilchen über und lässt
diese von der Oberfläche in die Höhe
"springen". Die so abgelösten Partikel können von einem inerten Gasstrom aufgenommen
und weggeblasen werden. Die Gasströmung sollte dabei laminar und parallel zur
Bauteiloberfläche
fließen. Auf diese Weise kann eine Rückverschmutzung der Bauteiloberfläche
vermieden werden. Für die Gasströmung werden zumeist Stickstoff, saubere Luft oder Argon eingesetzt. Edelgasmischungen
sind teuer, haben jedoch eine hohe Aufnahmefähigkeit für Verschmutzungen.
Zur Laserstrahlreinigung werden unterschiedliche Lasertypen eingesetzt,
die nach der Länge der erzeugten Laserpulse unterschieden
werden können. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die
bislang
zur Reinigung eingesetzten Laserarten.
| |
Dauerstrichlaser
|
Langpulslaser
|
Kurzpulslaser
|
Ultrakurzpulslaser |
|
Pulsdauer t |
10
ms < t
|
500
ns < t < 10 ms
|
10 ns < t < 500 ns |
t < 10 ns |
| Beispiele |
-
cw-Nd:YAG-Laser
-
cw-CO2-Laser
|
- np-Nd:YAG-Laser
-
np-CO2-Laser
-
TE-CO2-Laser
|
- Kupferdampflaser
- Nd:YAG-Laser
- Excimerlaser
- TEA-CO2-Laser
|
|
Haupteinsatzgebiete
Die Laserstrahlreinigung ist ein berührungsfreies und werkstoffschonendes
Verfahren, mit dem, bei entsprechender Prozessregelung, scharf abgegrenzte
Bereiche gereinigt und Schichten definierter Dicke abgetragen werden können.
Dabei wird nur eine sehr dünne Schicht des Grundwerkstoffes einer Wärmebeeinflussung
ausgesetzt.
Bild: Querschnitt durch eine
lasergereinigte Stromschiene
(Das Schichtsystem
wurde bei der Reinigung nicht beschädigt)
"Entlacken mit Laserstrahlung"
JOT-Journal für Oberflächentechnik
08/99
Die vielfältige Einsatzmöglichkeiten dieses noch jungen Verfahrens
werden bislang noch nicht ausgeschöpft. Bisherige Einsatzbeispiele sind das
Entlacken und Entschichten metallischer Bauteile, insbesondere in der
Flugzeugindustrie, die Entfernung von Foto- oder Lötstopplacken auf
Leiterplatten, die Reinigung von Kunstwerken und Gemälden, das Präzisionsentlacken
zur selektiven galvanischen Oberflächenbeschichtung sowie das Reinigen von
Tiefdruckzylindern.
Die Laserstrahlreinigung ist für nahezu jegliche Bauteilgröße und
-geometrie einsetzbar. Die Einsatzmöglichkeiten reichen von dem Entlacken
kompletter Flugzeuge bis hin zum Entfernen von dünnen
Schichten und Partikeln von Wafern und Elektronikkomponenten. Mit geeigneter Optik ist es möglich, Frontseiten, Rückseiten,
Ränder von glatten Oberflächen, gewölbten Oberflächen und Oberflächen mit
nicht zusammentreffenden Flächen, ebenso wie Röhren oder nur definierte Bereiche zu reinigen.

Steckverbinder
entlacken (JOT
08/99)
Freilegen von Kontaktstellen (JOT
07/99)

Versuchsanlage zur
Flugzeugentlackung (JOT
01/99)
Von Aluminium,
Edelstahl und Chrom über Kunststoff, bis hin zu Zellulose, können mit diesem
Verfahren alle gebräuchlichen Werkstoffe gereinigt werden.
Die entfernbaren Verschmutzungen können organisch oder anorganisch sein. Beispiele
für entfernbare Verschmutzungen sind: Lackfarbe, öliger Schmutz, Flugrost, kleine Partikel, dünne Filmschichten, Haftmittel, Urethan- und
Oxidschichten sowie auch Gold- und Siliziumpartikel.
Umwelt- und Arbeitsschutz
Bei der Laserstrahlreinigung werden Partikel und
Schmutzfilme ohne Einsatz von Reinigern oder Strahlmitteln abgetragen. Den zu
entsorgenden Abfall stellen somit lediglich die entfernten Verschmutzungen dar.
Diese müssen in Form von kleinen Partikeln und Rauchteilchen aus der
abgesaugten Luft bzw. dem verwendeten Prozessgas ausgefiltert werden. Für Epoxidschichten und
bleibasierte Farbbeschichtungen beträgt der dabei entstehende Müll ca. 25 % der ehemals
vorhandenen Beschichtungsmenge. Bei der Laserstrahlreinigung handelt es sich um ein sicheres und,
im Vergleich zu konventionellen Verfahren, umweltfreundliches
Reinigungsverfahren.

Abfallmenge bei der Laserstrahlreinigung und der herkömmlichen
Entschichtung.
"Laser in der Oberflächenbearbeitung" JOT-Journal
für Oberflächentechnik 07/99
Anlagen und Kosten
Ein Laserstrahl-Reinigungsgerät besteht aus einer Laserquelle, einem optischen
Leiter, um den
Strahl auf die Oberfläche zu lenken, einer beweglichen oder festen Bühne, auf
der sich das zu reinigende Bauteil befindet, und Gasanschlüssen für die Gaszufuhr und Gasabsaugung.
Um den Strahl über die Bauteiloberfläche bewegen zu können,
kann entweder das Bauteil mit einer beweglichen Bühne entsprechend verfahren
werden, oder das Bauteil steht still und der Laserstrahl wird mit eine
Scan-Optik oder einem Roboterarm über die Oberfläche geführt. Der Einsatz einer beweglichen Bühne ist für die meisten
Anwendungen wirtschaftlicher.
Mit einer mittelgroßen Anlage können Abtragsleistungen von bis zu 10 m²/h erreicht
werden. Die Abtragsleistung ist dabei stark von der Art und Dicke der zu
entfernenden Schicht abhängig. Bei dickeren Schichten (dicker als einige wenige
Hundertstel Millimeter) sind in der Regel mehrere Überfahrten erforderlich.
Bild: JOT 03/2000
Anlagenbeispiele
| Geräte für Werkstätten und Restauratoren |
 |
|
Mobile Geräte für den Außenbereich |

|
|
Geräte für Automatisierung und
Roboterführung |

|
Referenzen
E. Büchter
Lackabtrag mit Festkörperlaser
rechnet sich
JOT-Journal für Oberflächentechnik,
Nr. 3 (2000), 2000
A. C. Engelsberg
Laser-Assisted Cleaning Proves
Promising
The Magazine of Critical Cleaning
Technology, Mai 1995, S. 35 - 42; 1995
A. C. Engelsberg
Laser-Assisted Cleaning Leaves the
Laboratory
The Magazine of Critical Cleaning
Technology, Mai 1998, S. 39 - 48; 1998
D. Fitzpatrick Bethell
Laser Cleaning Beams in on Flat Panel
Displays
Internet-Artikel, 2001,
www.partscleaningweb.com
J. Jetter
Entlacken mit gepulster
Laserstrahlung – Stand der Technik
JOT-Journal für Oberflächentechnik,
Nr. 1 (1999), 1999
R. Lotze, J. Birkel, K. Wissenbach
Entlacken mit Laserstrahlung – Neue
industrielle Anwendungen
JOT-Journal für Oberflächentechnik,
Nr. 8 (1999), 1999
C. Manz, V. Zafiropulos
Laserentlackung – Stand der
Entwicklung
JOT-Journal für Oberflächentechnik,
Nr. 3 (1997), 1997
R. M. Miller
Transient Beams: Portable Laser
Systems for Cleaning and Coatings Removal
The Magazine of Critical Cleaning
Technology, Juli 1999, S. 16 - 25; 1999
C. T. Walters, J. L. Dulaney
Lasers Demonstrate Potential, With
Focus on Precision Cleaning
The Magazine of Critical Cleaning
Technology, Mai 1994, S. 33 - 37; 1994
Online-Magazin
"Precision Cleaning Web"
www.precisioncleaningweb.com
US-Amerikanische
Wissensbasis "Sage: Solvent Alternatives Guide"
http://sage.rti.org