Beim Flammstrahlen (genormt nach DIN 32539)
wird die zu reinigende Oberfläche mit einer heißen Flamme, zumeist
einer Acetylenflamme mit 3200 °C
im Zentrum, abgeflammt. Dabei werden organische Verunreinigungen, wie
Fette und Öle, verdampft bzw. verkohlt und Metalloxide zu Metall
reduziert, was ihre Haftung an der Oberfläche verringert. Eine zusätzliche
Reinigungswirkung ergibt sich durch das Verdampfen der unter der Schmutz- oder
Rostschicht eingeschlossenen Feuchtigkeit. Durch die explosionsartige
Volumenvergrößerung der Feuchtigkeit beim Übergang in die Gasphase werden die
darüber liegenden Schichten regelrecht abgesprengt. Nach der
thermischen Behandlung ist eine mechanische Nachbehandlung
erforderlich, um die entstandenen Verbrennungsrückstände zu entfernen. Hierbei
werden vornehmlich Drahtbürsten eingesetzt.

Das Flammstrahlen
wird bereits seit über 50 Jahren in Industrie
und Baugewerbe verwendet. Die Hauptanwendungsgebiete sind das Schälen
von Beton und die Entrostung oder Phosphatierung von Stahlflächen auf
Baustellen. Durchgeführt wird es meist mit
speziellen Flachbrennern in Kombination mit Bürstgeräten zur
anschließenden Nachbehandlung. Als Oberflächenvorbereitungsverfahren ist Flammstrahlen
in DIN 55928 "Korrosionsschutz von Stahlbauten durch Beschichtungen und
Überzüge" erfasst. Eine nach Güteklasse Fl flammgestrahlte Stahloberfläche
entspricht dem Vorbereitungsgrad
einer nach DIN 55928 Teil 4 sandgestrahlten Fläche Sa 2 1/2. Die
Oberflächenvorbereitung durch Flammstrahlen findet im
Groß- und Schwermaschinenbau, unter anderem bei der Vorbereitung von
Eisenbahnwagenuntergestellen vor der Aufbringung von Bitumenanstrichen oder
der Reinigung von Brennkesseln, seine Anwendung.
Physikalischer Hintergrund
Das Flammstrahlen wirkt auf Rost
und Verschmutzungen sowohl chemisch, als auch physikalisch. Durch eine
entsprechende Einstellung der Brennerflamme werden Metalloxide zu Metall
reduziert, was ihre Haftung an der Oberfläche mindert. Fette und organische
Verunreinigungen brennen ab oder verdampfen. Durch das Verdampfen des Wassers in den Poren der Werkstückoberfläche stellt sich
zusätzlich eine absprengende Wirkung auf Rostschichten und feste Anhaftungen ein. Zum Einsatz
kommt beim Flammstrahlen von Stahl eine Acetylen-Sauerstoffflamme mit
einer Temperatur von ca. 3200 °C. Um die entstandenen Reaktionsprodukte, wie
Asche und Verbrennungsrückstände, von der Oberfläche zu entfernen, ist eine mechanische Nachbehandlung
erforderlich. Dabei kommt meist das Bürsten in verschiedenen Variationen (maschinell oder manuell)
zum Einsatz. Einige Hersteller von entsprechenden Anlagen bieten daher auch
Brenner an, die mit einer nachfolgenden maschinell betriebenen Bürste
kombiniert sind, so dass das Flammstrahlen und die mechanische Nachbehandlung
in einem Arbeitsgang stattfinden können.
Nach der Entfernung der Rückstände auf der Stahloberfläche muss die
Oberfläche beurteilt werden, um den nach ISO 8501 geforderten Oberflächenvorbereitungsgrad Fl
sicher
zu stellen. Die Beurteilung erfolgt im allgemeinen visuell, ohne
Vergrößerung, anhand des Vergleichmusters für den Oberflächenvorbereitungsgrad
Sa 2,5 laut ISO 8501 bzw. DIN 55928, der dem Vorbereitungsgrad Fl
entspricht. Weitere Hilfsmittel sind mechanische Prüfungen, wie das
Schaben der Oberfläche mit einem Messer, wobei eine daraus
resultierende Farbveränderung in Richtung Rostbraun auf einen nicht
ausreichenden Oberflächenvorbereitungsgrad hinweist. Da Rost und Zunder
einen erheblich höheren elektrischen Widerstand haben, als eine
gereinigte Stahloberfläche, lässt sich der Oberflächenzustand auch
durch eine elektrische Widerstandsmessung beurteilen. Dabei wird davon
ausgegangen, dass Rost und Zunder auf der Oberfläche einen Widerstand
von mindestens 2 Ohm verursachen. Wird der erwünschte Zustand der
Oberfläche nach dem ersten Arbeitsgang nicht erreicht, so muss das
Flammstrahlen nach dem Abkühlen des Bauteils wiederholt werden.

Oberflächenvorbereitungsgrad Sa 2 1/2
(sehr
gründliches Strahlen), entsprechend DIN 55928: "Die Oberfläche muss bei Betrachtung ohne Vergrößerung frei sein von sichtbarem Öl, Fett
und Schmutz und soweit frei von Zunder, Rost, Beschichtungen und
artfremden Verunreinigungen, so dass verbleibende Spuren allenfalls
noch als leichte, fleckige oder streifige Schattierungen zu erkennen
sind.
Haupteinsatzgebiete
Die thermische Reinigung durch Flammstrahlen findet hauptsächlich auf
Baustellen Anwendung. Dabei dient das Flammstrahlen meist als
Vorbereitung für das Aufbringen neuer Schichten, wie beispielsweise
Bodenbelägen auf Beton oder Estricht oder Korrosionsschutzanstrichen
auf Stahlbauten. Das Flammstrahlen findet darüber hinaus auch Anwendung
im Schwermaschinenbau (Kesselreinigung) oder im Schiffsbau. Es wird oft
zur Sanierung großer Gerätschaften und Anlagen verwendet,
beispielsweise als Vorbereitungsverfahren vor dem Aufbringen von
Bitumenanstrichen auf Güterwaggons bei der deutschen Bahn oder für
allgemeine Entrostungsarbeiten bei der Schweizer Bahn.
Flammstrahlen ist nicht für alle Bauteile und Stahlbauten geeignet, da
aufgrund der Erwärmung der Teile unerwünschte Effekte, wie Verzug bei
dünnen Teilen oder Änderungen der Struktur des
Werkstoffes (Rekristallisation usw.), auftreten können. Daher ist bei der
Durchführung dieses Verfahren auf eine entsprechende Vorschubgeschwindigkeit
(mindestens 3 m/min) zu achten, um die Erwärmung nicht zu groß werden zu
lassen. Es sind aus dem gleichen Grunde auch nur Teile mit Blechdicken von
mindestens 5 mm zum Flammstrahlen geeignet. Eine weitere Bedingung
für den Einsatz des Flammstrahlens ist, dass ein geeigneter Ausgangszustand der Oberfläche vor dem Flammstrahlen
vorliegt. So muss unter
bestimmten Umständen (Oberfläche weist Rostgrad D mit Schichtrost auf) eine
Grobentrostung vor dem Reinigen, zum Beispiel durch Schaben erfolgen. Grobe
Schmutzschichten, Salz- oder Staubauflagen und ähnliche Verschmutzungen sind
vor dem Flammstrahlen durch geeignete Verfahren zu entfernen.
Wegen der enormen Größe der bearbeitbaren Flächen, der
Flexibilität und aufgrund der hohen Arbeitsgeschwindigkeit stellt das
Flammstrahlen für
die beschriebenen Anwendungen das geeignetste Verfahren dar. Für die
Reinigung von
kleineren Bauteilen ist das Flammstrahlen nicht wirtschaftlich und es sollte
anderen Reinigungsverfahren der Vorzug gegeben werden.
Flammstrahlen einer verölten
Oberfläche
Flammstrahlen einer
Fahrbahn
Charisius
und Kau GmbH
Arbeits- und Umweltschutz
Gefahrenquellen für die Gesundheit stellen beim
Flammstrahlen zum einen die eingesetzten Geräte, wie Gasbrenner oder
Bürstmaschinen, zum anderen die entstehenden Emissionen dar. Generell gilt beim Flammstrahlen, dass die verwendeten
Geräte, Gerüste, die Zugänglichkeit und der Arbeitsablauf aufeinander
abgestimmt sein müssen. So lassen sich bereits durch die Auswahl geeignet
dimensionierter Brenner und Bürsten Unfallrisiken erheblich verringern. Das
Verfahren darf nur von ausgebildetem Fachpersonal durchgeführt werden und das
verwendete Gerät muss den Sicherheitsanforderungen der verschiedenen
gültigen deutschen Normen (beispielsweise DIN EN 559, DIN EN 560:
"Gasschweißgeräte - ...") genügen. Es dürfen nur Brennertypen
und Geräte verwendet werden, wie sie in DIN
32539: "Flammstrahlen von Stahl- und Betonoberflächen" vorgesehen sind. Die
durchführenden Firmen müssen dem Nachweise über das Vorhandensein von
qualifiziertem Personal, geeignetem Gerät, sowie fachgerechter Durchführung
der Arbeiten erbringen.
Bei der Durchführung des Flammstrahlens ist im Bezug auf den
Arbeitsschutz eine generelle Unterscheidung zwischen Arbeiten im Freien
und Arbeiten in geschlossenen oder engen Bereichen notwendig. Da bei
diesem Arbeitsverfahren je nach Art der zu entfernenden Verschmutzung
unzuträgliche Dämpfe, Gase oder Rauche entstehen können, ist speziell
bei der Arbeit in engen oder geschlossenen Bereichen für einen
entsprechenden Arbeitsschutz, beispielsweise durch Atemschutzmasken
oder leistungsfähige Entlüftung zu sorgen. Im Gegensatz dazu ist im
Freien die Belüftung meist ausreichen, so dass hier nur bei der
Entfernung bestimmter Beschichtungen, wie chlorhaltigen
Kunststoffbeschichtungen Schutzmaßnahmen notwendig sind.
Es ist im Sinne des Umweltschutzes darauf zu achten, dass die Emissionen bei
der Durchführung des Verfahrens gering gehalten werden. So sollten
beispielsweise Rückstände des thermischen Arbeitsganges, die sich als
problematisch für die Umwelt darstellen können, wie Verbrennungsprodukte von
Lacken oder Kunststoffen, fachgerecht entsorgt werden. Bei Durchführung in
geschlossenen Bereichen mit automatischer Entlüftung lassen sich die
Emissionen in die Umgebungsluft durch entsprechende Filteranlagen
minimieren.

Fachgerechte Führung des
Brenners beim Flammstrahlen nach DIN 32539
Anlagen und Kosten
Zur
Durchführen des Flammstrahlens sind jeweils ein Gerät für die Durchführung
des thermischen und des mechanischen Arbeitsgangs erforderlich. Oftmals werden
auch Kombinationsgeräte eingesetzt, mit denen die beiden Arbeitsgänge direkt
hintereinander durchgeführt werden können.
Geräte für den thermischen Arbeitsgang
"Flammstrahlbrenner werden in Hand und
Maschinenbrenner eingeteilt. Die nach dem Saugprinzip arbeitenden Brenner
(Injektorbrenner) bestehen aus dem Griffstück [...] und den Brennereinsätzen
in T-Form je nach Verwendungszweck, sowie dem zugehörigen Fahrwerk beim
Maschinenbrenner. Druckbrenner sind für den Einsatz nicht geeignet." [DIN
32539]
Handbrenner sind in den Standardbreiten 50 mm, 100 mm, 150 mm,
200 mm, 250 mm und 300 mm genormt und können sowohl für Stahl-, als auch
für Betonoberflächen
verwendet werden. Maschinenbrenner sind in den Standardbreiten 500 mm und
750 mm
verfügbar. Sie werden jedoch normalerweise nur für große Betonflächen
eingesetzt. Die Brenner haben den im Kapitel Arbeits- und Umweltschutz
beschriebenen Anforderungen zu entsprechen.
1: Düsen
2: Mischrohr
3: Mischkammer
4: Druckdüse
5: Kennzeichen: Hersteller, Brenngasart
6: Kennzeichen: Hersteller, Sauerstoffdruck, Brenngasart, Mischsystem
Beispiel für einen Handbrenner [DIN 32539]

1: Verschraubbare
Einzeldüsen
2: Mischrohr
3: Mischkammer
4: Druckdüse
5: Kennzeichnung: Hersteller, Brenngasart
6: Kennzeichen: Hersteller, Sauerstoffdruck, Brenngasart, Mischsystem
7: Schnellschlussventil für Sauerstoff und Brenngas
8: Brennergriffstück
9: Winkeleinstellung
10: Schutzschild
11: Brennerdüsen
12: Handkurbel für Brennervorschub
Beispiel für einen Maschinenbrenner [DIN 32539]
Geräte für den mechanischen Arbeitgang
Die DIN 32539 "Flammstrahlen von Stahl- und
Betonoberflächen" gibt für die Geräte, die für den mechanischen
Arbeitgang verwendet werden dürfen, lediglich Anhaltspunkte und Beispiele. Es
ist allgemein von "Strahlgeräten, Klopf- und Bürstmaschinen" [DIN
32539] die Rede. Als Beispiele werden für Stahl fahrbare Bürstmaschinen mit
Stahldrahtborsten, transportable Handbürstmaschinen und
Hand-Stahldrahtbürsten genannt.
Referenzen
Weiner, R.
"Metall-Entfettung
und -Reinigung"
Eugen G. Leuze
Verlag, 1969
DIN 32539
Flammstrahlen von Stahl- und Betonoberflächen
DIN V 32528
Hand- und Maschinenbrenner für den industriellen Einsatz zum
Flammwärmen und verwandte Verfahren. [Vornorm]