Als CO2-Schneestrahlen werden Strahlverfahren mit Flüssig-CO2 bezeichnet, die das Strahlmittel - festes CO2 (Trockeneis) - erst während des Reinigungsprozesses aus Flüssig-CO2 erzeugen. Das CO2-Schneestrahlen arbeitet trocken und lösemittelfrei und lässt sich leicht automatisieren.
Die CO2-Schneeerzeugung erfolgt aus flüssigem Kohlendioxid, das auf einen Druck unterhalb von 5 bar entspannt wird. Das Kohlendioxid dehnt sich schnell aus und kühlt dabei stark ab. Bei dieser Entspannung erfolgt die Phasenumwandlung von Flüssig-CO2 in einen Teil festes CO2 (Trockeneis) und einen Teil gasförmiges CO2. Das Trockeneis wird mit Hilfe des gasförmigen CO2 bzw. bei anderen Verfahrensvarianten mit Hilfe eines zusätzlichen Trägergases auf die zu reinigende Oberfläche gestrahlt.
Verfahrenstechnisch unterscheidet man:
1. CO2-Schneereinigung ohne zusätzliches Trägergas und
2. CO2-Schneestrahlen mit zusätzlichem Trägergas.
Verfahren zur CO2-Schneereinigung (1), die ohne zusätzliches Trägergas arbeiten, nutzen das bei Trockeneiserzeugung entstehende gasförmige CO2 für die Ausbildung des Freistrahls. Die Anwendungen liegen im Bereich der Feinstreinigung, da nur sehr kleine Trockeneiskristalle ausgebildet werden. Die Reichweite des Freistrahls liegt bei ca. 30 mm, da der Durchmesser der CO2-Schneeteilchen und der Volumenstrom des gasförmigen CO2 sehr gering ist.
CO
2-Schneereinigung:
eco-snow
CO2-Kristall-Schneestrahlen:
acp

CO
2-Partikel-Schneestrahlen:
CryoSnow
Verfahren zum CO2-Schneestrahlen werden mit einem Trägergas, meist Druckluft, betrieben. Bei diesen Verfahren wird darüber hinaus unterschieden zwischen Prozessen bei denen das Flüssig-CO2 direkt in das Trägergas eingeleitet und erst dort entspannt wird (CO2-Kristall-Schneestrahlen) und Prozessen bei denen die erzeugten Trockeneiskristalle weiter aufbereitet und erst danach die produzierten größeren Strahlmittelpartikel der Trägergasströmung zudosiert werden (CO2-Partikel-Schneestrahlen).
Das CO2-Kristall-Schneestrahlen kann ebenso nur für die Feinstreinigung eingesetzt werden, wohin gegen beim CO2-Partikel-Schneepartikel die erzeugten Strahlmittelpartikel einen Durchmesser von 1 µm bis zu 1 mm und höhere Härten aufweisen. Der Freistrahl beim CO2-Partikel-Schneepartikel hat eine Reichweite von bis zu 500 mm und kann sowohl für die Feinreinigung als auch eine Vielzahl an Anwendungen im Bereich der Bauteil-, Werkzeug- und Formen- als auch Maschinen- und Anlagenreinigungen eingesetzt werden.
Physikalischer Hintergrund
CO2-Schnee entsteht, wenn flüssiges Kohlendioxid bei Raumtemperatur entspannt wird. Das Kohlendioxid kühlt sich bei der Expansion schnell ab (Übergang von Punkt 1 nach Punkt 2 im Phasendiagramm). Es bilden sich kleine feste Kohlendioxidkristalle (Trockeneis) und gasförmiges Kohlendioxid. Dieses Gemisch wird auf die zu reinigende Oberfläche gerichtet. Dabei wird die Schmutzschicht durch die auftreffenden CO2-Schneepartikel gelockert bzw. gelöst und durch den Gasstrom, also Kohlendioxid ggf. mit Druckluftunterstützung, weggespült. Das Reinigungsergebnis hängt vom Reinheitsgrad des Kohlendioxids und des Trägergases ab.
Phasendiagramm von Kohlendioxid
Die Reinigungswirkung beruht auf thermischen, mechanischen und physikalischen Vorgängen im Mikrobereich der Oberfläche. Die thermischen Effekte durch unterschiedliche Wärmeausdehnungskoeffizienten von Verunreinigung und zu reinigendem Bauteil führen zum Ablösen der Verunreinigung vom Substrat. Durch Gleitstrahl-, Schrägstrahl- und Prallstrahlvorgänge an der Verunreinigung sowie die Sublimationsexpansion des CO2 kommt es zum Ablösen und zum Abtransport der Verunreinigung vom Bauteil. Darüber hinaus werden Öl- und Fett-Verunreinigungen durch Lösungsvorgänge im gasförmigen Kohlendioxid von der Oberfläche entfernt. Der komplexe Prozessmechanismus mit Temperatur-, Strahl- und Lösungsmitteleffekten ist bis ins Detail noch nicht vollständig geklärt.
Prozessmechanismus: CryoSnow
Entfernen
von unlöslichen Partikeln durch Impulstransfer
Unlösliche Partikel können von einer Oberfläche durch einen
Hochgeschwindigkeitsstrahl eines Gases entfernt werden. Der Gasstrom
übt auf den an der Oberfläche anhaftenden Partikel eine aerodynamische
Kraft aus. Diese Kraft ist proportional zu der Querschnittsfläche des
Partikels in Anstrahlrichtung. Wenn die aerodynamische Widerstandskraft
des Partikels die Adhäsionskraft zwischen Partikel und Oberfläche
überschreitet, wird der Partikel von der Oberfläche abgelöst und vom
Gasstrom mitgerissen. Die Adhäsionskraft, in erster Linie bestimmt
durch Van-der-Waals-Kräfte, Dipolkräfte und Kapillarkräfte, ist von dem
Durchmesser der anhaftenden Partikel abhängig. Die Adhäsionskraft nimmt
mit dem Partikeldurchmesser jedoch weniger schnell ab als die
aerodynamische Widerstandskraft. Das heißt, sehr kleine Partikel (im
Mikrometer-Bereich) können durch einen Gasstrom allein nicht mehr
entfernt werden. Durch in dem Gasstrom mitgeführte CO2-Schneepartikel
können jedoch zusätzliche Kräfte durch Impulstransfer auf anhaftende
Schmutzpartikel ausgeübt werden. Die abgelösten Partikel werden
problemlos durch den Hochgeschwindigkeitsgasstrom abtransportiert.
Versuche haben gezeigt, dass mit dem CO2-Schneestrahlen sowohl große
als auch sehr kleine Schmutzpartikel entfernt werden können.
Entfernen von partikulären
Verschmutzungen
Ein zusätzlicher Effekt beim CO2-Schneereinigen ist das Einfrieren und
Verspröden von Verunreinigungen, die dann durch Impulstransfer leichter
abgelöst werden.
Entfernen von organischem Schmutz durch Lösen im Kohlendioxid
CO2 ist ein geeignetes Lösungsmittel für unpolare Substanzen. Im
Gleichgewichtszustand liegt CO2 bei Raumtemperatur und atmosphärischem
Druck in der gasförmigen Phase vor. Allerdings treten beim Auftreffen
eines Schneepartikels auf die Oberfläche kurzzeitig andere Bedingungen
auf. Während der kurzen Zeit des Auftreffens wirkt zwischen der
Oberfläche und dem Partikel eine Kraft, die zu einer Flächenpressung an
der Berührstelle führt. An der Berührstelle steigen Druck und
Temperatur an und die unmittelbare Umgebung der Berührstelle geht in
die flüssige Phase über. In dieser flüssigen Phase lösen sich
organische Verunreinigungen. Sobald der Partikel wieder von der
Oberfläche zurückspringt (Impulserhaltung), sinkt der Druck ab und die
Berührstelle verfestigt sich mitsamt den gelösten Verunreinigungen
wieder. Die Verunreinigungen werden also durch die abprallenden
Schneepartikel abtransportiert und fallen dort aus, wo der Schnee
letztendlich sublimiert.

Entfernen von löslichen Verschmutzungen
Das Vorhandensein einer flüssigen Phase beim Auftreffen der
CO2-Schneepartikel sorgt dafür, dass die auftretenden Pressungen
limitiert bleiben. Die beim Auftreffen ansteigende Kraft sorgt in
erster Linie für ein Vergrößern der verflüssigten Kontaktfläche. Der
Druck an der Berührstelle bleibt weitgehend konstant. Aus diesem Grunde
ist das Reinigen mit CO2-Schnee ein für die Bauteiloberfläche
schonendes Reinigungsverfahren. Aufgrund der Reaktionskräfte des
Hochgeschwindigkeitsstrahls ist es jedoch erforderlich, den zu
reinigenden Körper einzuspannen bzw. festzulegen, um ein Fortblasen zu
verhindern.
Ein Problem bei der Reinigung mit CO2-Schnee ist die Rückverschmutzung
des zu säubernden Bauteils durch Sublimation des Schnees an der
Bauteiloberfläche bzw. durch Verunreinigungen in dem verwendeten CO2.
Um die Rückverschmutzung zu minimieren, werden zum einen Filteranlagen
eingesetzt und zum anderen wird oftmals zusätzlich zum Reinigungsstrahl
eine gerichtete laminare Gasströmung zum definierten Abtransport der
Verunreinigungen von der Bauteiloberfläche eingesetzt.
Haupteinsatzgebiete
Beim CO2-Schneestrahlen handelt es sich um
Reinigungsverfahren mit einem breiten Anwendungsspektrum, von der
Präzisionsreinigung bis hin zum großflächigen Reinigung von Maschinen
und Anlagen, Werkzeugen und Formen sowie Kunststoff- und
Metallbauteilen.
Bei der Verwendung des Verfahrens ist zu beachten, dass nur die Flächen
problemlos gereinigt werden können, die direkt durch den CO2-Schneestrahl angeströmt werden. Außerdem bereiten kleine, leichte Bauteile Probleme, da diese durch den CO2-Schneestrahl fortgeblasen werden können.
Da das Verfahren nicht abrasiv wirkt, können auch sehr empfindliche
Oberflächen gestrahlt werden. Entfernt werden können organische und
anorganische partikuläre Verschmutzungen, Ölfilme, Fette,
Fingerabdrücke und Flussmittelrückstände. Sehr stark haftende
Verkrustungen, dicke Farbschichten oder Rost können hingegen nicht
entfernt werden.
Lackiervorbehandlung: CryoSnow

Formenreinigung: CryoSnow

Feinstreinigung: PrecisionCleaningWeb (ehemalige Webseite)
Umwelt- und Arbeitsschutz
Trockeneis sublimiert (verdampft) rückstandslos vom festen direkt in
den gasförmigen Zustand, wobei das Gas weitgehend geruch- und
normalerweise farblos bzw. unsichtbar ist. 1 kg Trockeneis bildet ca.
500 Liter CO2-Gas. Die maximale Arbeitsplatzkonzentration
(MAK) ist die höchstzulässige Konzentration eines Arbeitsstoffes in
Luft am Arbeitsplatz, die bei täglich achtstündiger Einwirkung und
einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden im Allgemeinen die Gesundheit
der Beschäftigten nicht beeinträchtigt. Die maximale
Arbeitsplatzkonzentration (MAK) von CO2 beträgt 5.000 ppm (0,5 Vol. %). CO2-Gas
wirkt narkotisierend, bewirkt bei über 7 % in der Atemluft
Bewusstlosigkeit und bei Konzentrationen von über 8 % besteht
Erstickungsgefahr. Da CO2-Gas ca. 1,5-mal schwerer als Luft
ist, breitet es sich am Boden aus und sammelt sich in Vertiefungen an.
Auf gute Bodenbelüftung achten. Am Arbeitsplatz sollte sich ein
Messgerät befinden, das stets die Kohlendioxid-Konzentration misst.
Trockeneis ist sehr kalt und hat eine Temperatur von -78,5 °C. Direkter
Kontakt mit ungeschützter Haut kann ernsthafte Erfrierungen
verursachen. Der Anwender sollte sich durch entsprechende
Schutzkleidung vor Kaltverbrennungen schützen und geeignete
Schutzmaßnahmen für die Augen treffen. Durch den Freistrahl entsteht
ein hoher Lärmpegel. Bei Strahlarbeiten ist daher ein Gehörschutz zu
tragen.
Für die Umwelt ist Kohlendioxid ein unbedenkliches Reinigungsmittel, da
es nicht eigens für die Reinigung produziert wird, sondern durch
Luftverflüssigung der Umgebungsluft entnommen wird oder als
Nebenprodukt bei anderen Prozessen entsteht.
Anlagen und Kosten
Die Düse, durch die der CO2-Schnee entsteht, kann entweder
als Handpistole oder als bewegliche Vorrichtung in einem manuellen oder
automatischen Reinigungssystem vorgesehen werden.
Anlagenbeispiele:
Handgeführte Strahlpistolen
Bild:
PCW

Handgeführte Strahlpistolen sind in der Anschaffung sehr günstig. Im
einfachsten Fall besteht das Strahlsystem lediglich aus der
Strahlpistole, einem Schlauch mit Druckminderungsventil und einer CO
2-Flasche.
Die Reinigung kann im Freien oder unter einer Absaugvorrichtung
erfolgen. Der Anwender muss sich durch eine geeignete Schutzkleidung
vor Erfrierungen schützen. Diese Strahlsysteme sind nur für die
Präzisionsreinigung im Labor zu empfehlen.
Strahlgeräte zur manuellen Reinigung
Bild:
CryoSnow

Bei den CO2-Schneestrahlgeräten handelt es sich um fahrbare
oder stationäre Geräte für Dienstleistung, Industrie, Labor, Werkstatt
und Produktion. Die Strahlpistole wird von Hand geführt und kann sowohl
als Freistrahlsystem, aber auch in Strahlkabinen betrieben werden.
Automatische Anlagen
Bild: eco-snow

Für die Reinigung großer Chargen in der Halbleiterindustrie bietet sich
eine weitgehende Automatisierung des Reinigungsprozesses an. Die
Bauteile werden in Kassetten oder ähnlichen Bauteilträgern der Anlage
zugeführt. Die Reinigung erfolgt in einer geschlossenen Kammer mit
Lärmdämmung und Absaugung. Anlagen für den Automatikbetrieb können mit
Handhabungsgeräten, robotergeführten Strahlpistolen und automatischen
Be- und Entladesystemen ausgerüstet werden. Bei sehr großer
Reinigungsleistung kann die Realisierung eines geschlossenen
Kohlendioxid-Kreislaufs in der Anlage wirtschaftlich sein.
Referenzen
Homepage
der "United States Environmental Protection Agency"
http://www.epa.gov
Online-Magazin
"Precision Cleaning Web"
http://www.precisioncleaningweb.com
US-Amerikanische
Wissensbasis "Sage: Solvent Alternatives Guide"
http://www.sage.rti.org
CryoSnow GmbH
http://www.cryosnow.com